Allie's Welt

Es lebt sich besser zwischen den Zeilen.


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Transmilenio, Autobús y protestas

Aus gegebenen Anlass blogge ich jetzt erstmal zum Bogotaner Verkehrssystem.

Bogotá ist eine Stadt mit über acht Millionen Einwohnern. Damit ist sie die drittgrößte Stadt Lateinamerikas und größentechnisch vergleichbar mit New York. Leider (oder zum Glück?) verfügt sie nicht über die gleiche Infrastruktur und vor allem nicht über das gleiche Transportwesen.
Möchte man in Bogotá von A nach B, dann hat man folgende Möglichkeiten:

– Autobús. Die kleinen Busse fahren durch die ganze Stadt. Das System ist aber für Neulinge schwer zu durchschauen. Ich fahre z.B. jeden Morgen mit dem Bus zu meiner Transmileniostation. Der Bus ist gelb mit einem roten Dach und im Fahrerfenster vorne hängt ein Schild mit dem Ziel und den Zwischenstationen. Da muss auf jeden Fall „Alcalar“ drin stehen, denn das ist mein Ziel. Das ganze ist so noch relativ einfach. Muss man aber irgendwo hin, wo man noch nie war, wirds schwer. Denn es gibt keine festen Bushaltestellen (nun ja…schon, aber eigentlich steht da selten jemand), sondern man steht irgendwo an der Straße und winkt sich den Bus ran. Will man aussteigen, drückt man auf den Knopf oder ruft „Ahi por favor!“. Manchmal ist das ganze auch sehr abenteuerlich, wenn man sich zum Beispiel so reindrängeln muss, dass die Türen nicht mehr richtig schließen und man das Stück dann eigentlich halb im Bus und halb außerhalb steht.
Es gibt auch keinen offiziellen Busfahrplan und anscheinend auch keine so richtig festen Routen, denn bei dem schrecklichen Verkehr in Bogotá muss man flexibel bleiben. Da heißt es dann: Fragen und hoffen. Eine Fahrt kostet übrigens eigentlich immer 1.450 Pesos (s0 um die 60 Cent), egal wie weit man fährt. Der Preis steht immer an der Fahrertür und unterscheidet sich je nach Qualität, Größe und Alter des Busses.

– Transmilenio. Der Transmilenio ist ein innovatives Transrapid-Bussystem. Hochflurige Busse fahren auf Sonderspuren außerhalb des alltäglichen Verkehrs. Nur Krankenwagen dürfen diese Spuren mitbenutzen, was absolut zu befürworten ist, da ansonsten wohl niemand die lange Fahrt ins Krankenhaus überleben würde (ich übertreibe nur ein wenig). Eine Fahrt kostet 1.750 Pesos (etwa 75-80 Cent) und auch hier ist es egal, wie weit man fährt oder wie oft man umsteigt.  Auch hier gibt es keine Abfahrtzeiten, dafür eine Anzeige, in wie vielen Minuten die nächsten Transmilenios kommen. Es gibt verschiedene Routen durch die Stadt und verschiedene Linien die unterschiedliche Stationen anfahren. So fahren die Linien F1, G4, H43 z.B. alle Stationen auf ihrer Route an. Währenddessen der H73 zum Beispiel nur 3 der 14 Stationen zwischen meinem Wohnort und meinem Büro anfährt und somit natürlich schneller ist.

– Taxi. Mit dem Taxi ist das so eine Sache. Eigentlich wird empfohlen nur Taxis zu verwenden, die man vorher telefonisch bestellt hat. Das ganze kostet dann ein wenig Anfahrtsweg, aber weniger als ein Euro, ist also kaum der Rede Wert. Im Taxi gibt es ein Taximetro, das Einheiten runterzählt (da sollte man aufpassen, dass das auch angeschaltet ist, wenn man losfährt, sonst wird man über den Tisch gezogen). Am Ende der Fahrt sagt der Taxifahrer einen Preis. Das Taximetro zeigt die Einheiten an und am Beifahrersitz ist eine Tabelle befestigt, auf der man den Preis ablesen kann. Taxifahren ist in Kolumbien ziemlich günstig. Man kommt vom einen Ende der Stadt zum anderen (abends bei wenig Verkehr) für knapp mehr als 5 Euro. Abends ist dies die beste Option um nach Hause zu kommen. Man sollte den Weg aber grob wissen, sonst fährt das Taxi gerne ein paar Umwege. Toll ist es auch, dass die Fahrer sich oftmals blöd stellen und keine Ahnung haben, wo die Adresse ist. Auch da sollte man einigermaßen wissen wo man lang fährt, denn die Taxifahrer fragen gern mal „hier rechts? hier links?“ – auch ein Weg, herauszufinden wie gut die Fahrgäste Bescheid wissen und was man so abziehen kann. Beim Foto kommt gaaaaanz hinten ein Taxi…

– Fahrrad. Nur für Menschen zu empfehlen, denen nichts an ihrem Leben liegt. Daher keine Option.

Mein täglicher Weg zur Arbeit sieht so aus: Ich gehe 5 Minuten die Straße runter, bis ich an der Calle 138 bin, welche zur Autopista Norte und damit zu meiner Transmileniostation (Alcalar) führt. Ich könnte auch laufen, aber das wären gute 15 Minuten und morgens ist mir die Zeit doch zu wichtig. Also auf den Bus gewartet, rangewunken, das Fahrtgeld am Besten passend dabei haben, selbiges durch das kleine Loch in der Plexiglasscheibe stecken und mit Glück einen Platz bekommen. Das teilweise doch lästige Anstarren übersehen und in 5 Minuten bin ich an der Transmileniostation Alcalar. Dort hoch und über die Brücke zu meinem Abfahrtterminal. Mit meiner Fahrkarte (eine Plastikkarte die mit Fahrten aufgeladen ist) durchs Drehkreutz, meinen Terminal gesucht und gewartet. Dann ab in den H73 (die schnelle Linie mit der ich insgesamt nur 25-30 Minuten zur Arbeit brauche. Nehme ich die F1, die an allen Zwischenhalten stoppt, brauche ich gute 20 Minuten länger) und an der Station Avenida 39 ausgestiegen. Dann noch 3 Minuten zu Fuß die Straße runter (vorbei an einer Piloten/Stewardessen-Schule), einmal am Gebäude in die Sicherheitskamera gelächelt und schon bin ich an meinem Arbeitsplatz.

Der aktuelle Anlass:
Ist für uns der Transmilenio ziemlich günstig (ich habe jetzt für einen Monat gut 109.000 Pesos, etwa 50 Euro gezahlt), so sieht das für die einheimische Bevölkerung schon anders aus. Wenn ein durchschnittlicher Kolumbianer, der nicht wie meine Familie im reichen Norden wohnt, etwa 500.000 Pesos im Monat zur Verfügung hat um damit seine Familie zu ernähren (habe ich mal irgendwo gelesen), kann man sich vorstellen, dass sich das schon ordentlich aufrechnet. Zudem sind die Busse ziemlich überfüllt und fahren unpünktlich.Alles Kritikpunkte, die sich Freitag in einer Demonstration entladen haben. Eigentlich sollten lediglich durch Sitzstreiks die Routen blockiert werden. Allerdings haben etwa 50 Menschen die Chance genutzt und haben die Transmilenios und die Haltestationen mit Rauchbomben, Steinen und weiteren Gegenständen angegriffen.

Als ich zur Arbeit gefahren bin (ohne von den Protesten zu wissen), wurde unser Transmilenio auf dem Weg mit Rauchbomben angegriffen und einige Demonstranten haben versucht unseren Transmilenio zu entern. Der Fahrer hat daraufhin die entsprechenden Stationen ausgelassen und hat erst wieder an meiner Station gehalten. Überall war große Polizeipräsenz, Wasserwerfer und Montorradeskorten für die Transmilenios. Die Stationen wurden alle gesperrt, so dass man nur noch raus konnte, allerdings nicht mehr hinein.
Mein Büro ist genau eine Straße von der Station entfernt und wir waren mitten im Geschehen: Permanent kamen Menschen weinend, hustend, schreiend und blutend die Straße runtergerannt. An der Station trafen nämlich die Demonstranten und die Polizei aufeinander, welche Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt hatte. Das Knallen, die Schreie und die Panik haben doch ein etwas mulmiges Gefühl ausgelöst. Als ich mich dann recht früh von der Arbeit auf den Weg gemacht habe, waren die Transmileniostationen zerstört und die Busse fuhren nicht mehr.
Ich habe mir also einen Bus gesucht, der zu uns fährt und habe gute zwei Stunden gebraucht um nach Hause zu kommen. Denn all diejenigen die sonst mit dem Transmilenio fahren, sind auf ihre Autos oder Busse ausgewichen.
Ich würde euch gerne einige Fotos zeigen, ich hatte aber keine Kamera dabei und selbst wenn, so hätte ich mich wohl auch nicht getraut, Fotos zu machen. Ihr könnt allerdings googeln.

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Marburg – Buxtehude – Helsinki

Erschreckend. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich alles ganz schnell geregelt: Die Flüge nach Helsinki und wieder nach Hause sind gebucht, die Kaution für das Zimmer bezahlt,Auslands- Bafög beantragt, Weihnachtsgeschenke (teilweise) eingekauft und das Lehrbuch, dass ich gerade überarbeite wird auch noch rechtzeitig fertig. Es ging doch irgendwie alles schneller, als gedacht. Die „Und wehe du schickst mir keine Karte“-Liste wird auch immer länger.

Seit ich in Marburg wohne (mit einer tollen Mitbewohnerin…hab ich das schon erwähnt?) lese ich mal wieder ganz andere Bücher. Meine neuste Ausleihe: „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger. Wer mal nicht das übliche 08/15 lesen will, dem rate ich zu diesem Buch. Abwechselnd erzählen Clare und Henry, wie sich ihre Wege gekreuzt haben und wie es ist mit jemanden verheiratet zu sein, der unkontrolliert kurze Sprünge in die Zeit macht. Wunderbar romantisch, teilweise tragisch, aber nie kitschig.

Für die Zeit in Helsinki brauche ich noch viele, neue Bücher zum mitnehmen. Einige Anregungen habe ich schon bekommen. Also her mit euren Tipps! Welche(s) Buch/Bücher fandet ihr so toll, dass man es/sie auf jeden Fall lesen sollte?

Die Liste bis jetzt:

Zusammen ist man weniger allein, High Fidelity (mein Wunsch, es endlich mal zu lesen..natürlich im Original), Die Bibel nach Biff, Der Schatten des Windes, Der ewige Gärtner, Die Schattennovelle, Planet der Habenichtse, Homo Faber, Mein Herz so weiß, Afrikanische Totenklage: Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents

Fachbücher: Sozialwissenschaftliche Konflikttheorien, Friedens- und Konflikttheorien


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Kinder und Betrunkene…

…sagen die Wahrheit. Als ich letztens im Wartezimmer beim Arzt saß, zeigte mir meine Schwester ein Buch, dass sie sich für ihren Beruf/Schule gekauft hatte.
Titel: „Kindermund tut Wahrheit kund“. Hier ein kleines „Best Of“:

„Mama sagt, wenn man heiratet, wird man Ehemann. Aber ich bin längst schon einer, denn ich habe jetzt schon einen Penis.“ – Ich dachte es geht darum, dass man als Ehemann keinen mehr hat.

„Gott sieht aus wie eine Mischung aus Kahn und Effenberg.“ – Ach herrje, bitte schickt mich in die Hölle!

„Den Teufel gibt es. Er gibt sich als Vermieter aus.“ – Wie wahr. Ob das eigentlich von Papa kommt?

„Jesus lebt im Grad. Denn Albrecht Dürer ist tot, und weil beide gleich aussehen, denke ich, Jesus war Albrecht Dürer.“ – Ohne Worte.

„Ich heirate später mal die Mama. Eine fremde Frau will ich nicht.“ – Therapie vorprogrammiert?

„In Frankreich hat man die Verbrecher früher mit der Gelantine hingerichtet.“ – Autsch, bestimmt schmerzhaft.

„Wenn ich groß bin heirate ich gleich zwei Frauen. Eine auf Reserve.“ – Ist bestimmt super, die Reserve zu sein!

„Unser Papa kann kochen und putzen. Der ist richtig gezähmt.“ – Gut so…

„Luther wurde berühmt, weil er seine 95 Prothesen ans Kirchenportal geschlagen hat.“ – Einfach klasse.

„Bevor eine Frau ein Baby bekommen darf, muss sie erst einen Schwangerschaftstest bestehen.“ – Ich will durchfallen, lasst mich durchfallen!

„Schwanger werden ist einfach. Dafür nimmt die Mama so einen Papierstreifen und pinkelt drauf. Das ist alles.“ – Keine Papierstreifen in meiner Nähe bitte.

„Gestern war ein Mann an der Tür, der hat fürs Altersheim gesammelt. Aber unseren Opa haben wir ihm nicht gegeben.“ – Hat er nochmal Glück gehabt…aber das nächste Mal…

Weiteres auch im Internet unter: http://www.kindermund.de


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lalala

Ich höre nichts! Nein…gar nichts! Und ich sehe auch nichts! Absolut gar nichts, was etwas über den letzten Harry Potter Band verraten könnte. Kein leichter Hürdenlauf die letzten Tage. Und dann doch dieser Drang, es wissen zu wollen. Aber nein, ich bleib standhaft.
Und wehe jemand spoilert.


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Wann sollte man gegen das Management Gewalt anwenden?

Nachdem ich Herrn Münkler (der mich mit seinem Werk bei meiner Hausarbeit unterstützen möchte) während den Zugfahrten ausführlich auseinandergenommen habe, musste ich einfach abwechslungshalber zu einem Buch greifen das unterhält. Zu Hause angekommen wurde es mir auch gleich in die Hand gedrückt:


Hier geht es um einen typischen Großkonzern, namens Zephyr Holdings. Stephen Jones, Universitätsabsolvent, der gerade erst in die freie Wirtschaft entlassen wurde, und nun neuer Verkaufsassistent bei Zephyr ist, gerät in ein wunderbares Arbeitsklima, voller Intrigen, bizarrer Mitarbeiterrichtlinien und absurder Management-Entscheidungen. Jones stellt einige unangenehme Fragen:

Warum gibt es keinen 13. Stock? Was verkauft Zephyr überhaupt? Weshalb verdient die gut aussehende Rezeptionistin mehr als alle anderen, obwohl sie selten an ihrem Platz ist? Wieso sind alle Stockwerke verkehrt herum nummeriert? Und warum zur Hölle ist dies alles für die anderen Mitarbeiter vollkommen normal?

Als er Daniel Klausmann, Inhaber der Firma, zur Rede stellen will entdeckt er den eigentlichen Zweck des Unternehmens. Doch Jones hat trotz seines Management-Studiums noch Moral und Ethik und als Massenentlassungen anstehen, zettelt er einen Aufstand an…

Es ist schwer, diese Geschichte schmackhaft zu machen, ohne den wesentlichen Wendepunkt zu verraten. Berry schreibt in einer herrlichen Ironie über die amerikanische Management- und Firmenkultur. Trotz dass er zum Ende leider etwas schwach wird, lohnt es sich dieses Buch zu lesen, es wird einen nicht mehr los lassen und durch den Alltag begleiten.

Max Berry widmete dieses Buch seinem ehemaligen Arbeitgeber Hewlett Packard, bei dem er lange im „Darmtrakt“ arbeitete. Ansonsten hält er sich laut Klappentext an einen strikten Dress-Code und beschränkt persönliche Gespräche auf maximal zwei Minuten.