Allie's Welt

Es lebt sich besser zwischen den Zeilen.


Ein Kommentar

Nachtrag: Zurück aus der Selva

Oder dem Dschungel, wie er auf Deutsch heißt. Vom 25. November bis zum 02. Dezember bin ich mit sechs guten Freunden nach Leticia geflogen, die südlichste Stadt Kolumbiens, direkt am Amazonas, mitten im Dschungel, von nichts weiter umgeben als endloser Natur.
Angekommen sind wir am Sonntag, 25. November und wurden gleich am Flughafen von schwüler Hitze mit einer unheimlichen Luftfeuchtigkeit erwartet sowie diversen Guides die uns ihre Dschungeltour verkaufen wollten.

Da bereits einige Freunde diese Tour gemacht haben, wussten wir gut über Inhalte und Preise bescheid. Als uns dann die Viertagestour für 450.000 Pesos angeboten wurden, haben wir gleich erstmal selbstbewusst abgelehnt und sind mit dem Taxi in die Innenstadt. Nach einigen Wiederfindungsschwierigkeiten (7 Leute = 2 Taxen) trafen wir uns am Parque central und wollten uns ein Hostel suchen, als der gleiche Typ, der uns die Reise für 450.000 Pesos angeboten hatte aus einem Taxi stieg und uns weiter zutextete. Inzwischen war er bei 320.00 Pesos pro Person für vier Tage angekommen – ein gutes Angebot, aber der Bauch sagte nein und daher sind wir erstmal los.

Leider war das Hostel was wir uns ausgesucht hatten bereits ausgebucht. In eben diesem Hostel trafen wir jedoch einen netten hilfsbereiten Kolumbianer der uns ein anderes Hostel zeigen wollte. Wir liefen also mit unserem gesamten Gepäck weiter durch Leticia und kamen just an dem Hostel „El divino Niño“ an, von dem der hartnäckige Guide am Flughafen kam.
Da der Preis allerdings sehr gut war (15.000 Pesos) und wir ein eigenes Zimmer für uns sieben bekommen sollten, blieben wir da. Und ließen uns nach dem einchecken erstmal die von denen angebotene Tour erklären.
Sowohl die Tour, als auch der Preis und der Guide (der zweite vom Hostel sollte mit uns in die Selva gehen) überzeugten uns und wir sagten zu. Am nächsten Tag würde es für vier Tage und drei Nächte in die Selva gehen.
Am ersten Tag würden wir eine kleine Insel besuchen und dort die großen Seerosen sowie Papageien sehen können. Danach würde es weiter gehen nach Peru, dort würden wir bei einer indigenen Communidad übernachten und nachts eine Caminata in die Selva machen um verschiedene Tiere bei Nacht beobachten zu können. Am nächsten Tag stände eine fünfstündige Wanderung durch die Selva an. Dort würden wir dann mit dem Boot abgeholt werden und in eine Lodge fahren. Am Abend des zweiten Tages würde Delfinbeobachtung und der Besuch am brasilianischen Strand anstehen. Am dritten Tag würden wir Piranhas angeln und essen und die Nacht im Dschungel verbringen und zwischen Bäumen unsere Hängematten aufspannen. Am vierten Tag gäbe es nochmal eine Wanderung mit Erklärungen zu Pflanzen und Tierbeobachtung und nach dem Mittagessen würden wir wieder zurück nach Leticia fahren, im Boot ein Weg von knapp fünf Stunden Fahrt.

Tag 1
Nachdem wir am Sonntagabend und Montagmorgen noch einige Besorgungen machten (Taschenlampen, Anti-Insekten-Mittel, Sonnencreme, etc.) sind wir nach dem Frühstück mit unseren Rucksäcken und den geliehenen Gummistiefeln los zum Hafen um unseren Guide und unser Boot zu finden. Das ging auch recht schnell und kurz danach saßen wir schon auf unserem Boot und verließen Leticia Richtung Selva. Wir machten einen Zwischenstopp zum tanken und steuerten dann unser erstes Ziel an: Die Insel Santa Rosa, auf der wir die Victoria Reina, die größte Seerosenart der Welt bewundern konnten. Außerdem gab es dort auch Papageien, die recht zutraulich auf unsere Schultern saßen und sich als äußerst fotogen herausstellten.
Danach ging es ne Weile weiter auf dem Fluß bis wir in einen kleinen Nebenfluß fuhren und uns nur noch 20 Minuten von unserem Ziel und unserer Herberge für diesen Abend trennten. Nach Ankunft, Mittagessen und etwas chillen in der Hängematte  haben wir uns anschließend das Dorf angesehen und etwas über die Kultur der dort lebenden Indigenen erfahren. Danach ging es in den Dschungel – erst mit Boot und anschließend zu Fuß. Dort haben wir Micos perezosos gesucht (faule Affen = Faultiere) und haben auch eines gefunden, welches dann erstmal zu einem unfreiwilligen Fotoshooting überredet wurde. Ein ganz süßes Tierchen, dass allerdings viele weniger süße Krabbeltiere in seinem Fell hatte. Danach ging es zurück zu unserer Unterkunft und nach dem Abendessen und dem erfolglosen Versuch etwas ins Reisetagebuch zu schreiben sind wir alle in den Hängematte ingeschlafen. Man wurde allerdings wieder recht schnell wach, wenn man aufs Klo musste, denn das war ein Loch im Boden, etwa 10 Meter von der Hütte entfernt. Und nachts regnete es ordentlich. Mich fragte dann unser Guide, ob wir die Nachtwanderung mit Beobachtung von Taranteln, Schlangen und Kaimanen heute machen wollten. Da unsere Truppe zu 80% schlief hatte ich gefragt, ob wir diese Tour nicht auch am nächsten tag würden machen können. Unser Guide meinte, dass es möglich wäre, wir dann aber wohl keine Taranteln sehen würden…damit…konnte ich leben.

Tag 2
Am zweiten Tag hieß es früh aufstehen und nach dem Frühstück haben wir im Amazonas gebadet (das Wasser da war wärmer, als in so manchen Häusern in Bogota) und sind danach los auf unsere fünfstündige Dschungeltour durch den peruanischen Teil des Dschungels. Dort haben wir allerlei Getier (Raupen, Schmetterlinge, Affen, Papageien, Ameisen und jede, jede Menge Moskitos) und Pflanzen erkundet. Am Ende der etwas anstrengenden Tour wurden wir von unserem Boot abgeholt und zu unserer Lodge gefahren. Nach kurzer Verschnaufpause sind wir dann direkt weiter mit dem Boot, die rosa Flussdelfine und den Sonnenuntergang am brasilianischen Strand beobachten. Nach dem Abendessen – yay…Fisch! Sind wir bei Nacht endlich zu unserer Nachtwanderung aufgebrochen, zuerst mit dem Boot unterwegs um Kaimane zu fangen und anschließend zu Fuß um die Taranteln zu suchen. Beides fanden wir, letztere allerdings beunruhigend groß und nahe an unserer Lodge (etwa 20 Meter). Zudem haben wir an den Pfählen, auf denen unsere Lodge stand (alle Häuser in Nähe des Amazonas und der Nebenflüsse sind auf solchen Pfählen gebaut), ebenfalls nach Taranteln gesucht. Und die waren definitiv größer als meine Hand. Brrr….

Tag 3
Am dritten Tag sind wir vormittags mit dem Boot losgefahren um unser Mittagessen zu fangen: Piranhas. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Nordlichter in Sachen Angeln immer noch die Nase vorne haben 😉
Neben Insektenbissen, tiefen Stichen von Fischen und Sonnenbrand haben wir nämlich tatsächlich etwas gefangen. Nach dem Mittagessen wurde mir dann noch Doppelkopf beigebracht. Etwas was ich schon öfter versuchte zu lernen, es jedoch irgendwie immer am ungünstigen Alkoholpegel gescheitert ist. Diesmal habe ich es trotz Cuba Libre-Abend verstanden! Der Cuba Libre gepaart mit viel Cachaca zum auffüllen und der Hitze haben dann dafür gesorgt, dass wir diese Nacht nicht wie geplant im Dschungel unsere Hängematten aufschlagen würden, sondern stattdessen in den Hängemattenhaus der Lodge nächtigen würden. Zum abend gab es dann noch ein Volleyballspiel und finnische Kartenspiele zu noch mehr Cachaca.

Tag 4
Am vierten Tag sind wir am Vormittag nochmal in den Dschungel, haben auf Baumschaukeln geschaukelt, einen Skorpion in Tores Ärmel kriechen sehen und mehr über die Pflanzenwelt des Amazonas erfahren. Danach ging es dann wieder in die Lodge zum Mittagessen – Fisch! Yay…nicht! Und anschließend haben wir uns auf die fünfstündige Tour mit dem Boot zu Wasser zurück nach Leticia vorbereitet und sind los. Zeitweise mussten wir dann in Plastiktüten im Boot sitzen, weil ein Sturm aufzog und es anfing zu regnen. Dafür gab es auf dem langen Rückweg aber auch rosa Flussdelfine zu sehen und zum Schluss, kurz vor Ankunft einen wunderschönen, versöhnlich stimmenden Sonnenuntergang.

Danach in Leticia:

Sind wir nochmal eben rüber nach Brasilien und haben den guten 2,50 Euro Cachaca gekauft, einige haben sich durch das Hünchen für fünftausend Pesos (Cinco!!!!) den Magen verstimmt, wir haben unheimlich viele Souvenirs in Brasilien und Kolumbien geshoppt, den Markt-Flair genossen und haben neue Früchte und unbekannte Dinge gegessen.
Und schlussendlich habe ich dann noch in einem Kletterpark meine Höhenangst überwunden. Erst ging es ca. 10 Minuten durch den Dschungel, danach 37 Meter hoch in den Baum (man musste sich selbst durch ein Seilsystem nach oben bugsieren), anschließend ging es über eine Brücke, über eine Seilbahn ein Stück durch die Baumwipfel und schlussendlich wieder am Seil hinunter. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, wenn man das alles auf knapp 40 Meter Höhe inmitten des Urwaldes macht…auch wenn die Bäume bei 40 Metern noch nicht sooo alt waren.

Am achten Tag unserer Reise, genau eine Woche nach Ankunft ging es wieder zurück. Wir flogen über ein endloses Meer aus Bäumen, bis wir schließlich bei Sonnenuntergang wieder in Bogotá ankamen.
Liebe Selva…es war einmalig! Ich komme wieder…und das nächste Mal mache ich dann eine längere Tour auf dem Amazonas!

Advertisements


3 Kommentare

Hasta luego

So ihr lieben, da ich ab Donnerstag auf Reisen sein und daher auch knapp vier Wochen lang kein regelmäßiges Internet haben werde, möchte ich meine Wünsche an euch zum Jahresende bereits jetzt los werden.

Ich wünsche euch allen, egal wo ihr gerade seid, wunderbare Weihnachten mit euren Liebsten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich hoffe dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen mögen. Nehmt euch Zeit für die wichtigen Dinge im Leben und genießt ein paar freie Tage.

Felix, Jeimy, Patricia und Camilo möchte ich besonders viel Liebe und Durchhaltevermögen für das neue Jahr wünschen! Wir halten zusammen und werden das schaffen!

Ich werde mich jetzt auf den Weg nach Ecuador machen, mit meiner halben Orange, wie man so schön in Kolumbien sagt (also der Deckel zum Topf). Mit Rucksack und ohne Plan einfach mal das Land erkunden, Weihnachten zu zweit im Zelt verbringen und gemeinsam an der Pazifikküste ins neue Jahr feiern. Ich freue mich auf die Zeit, auch wenn ich eines ganz sicher weiß: Es wird sich nicht wie Weihnachten anfühlen. Weihnachten, das ist für mich die Zeit mit der Familie, Geschenke besorgen und herstellen, Freunde treffen, Glühwein, Weihnachtsmarkt und am 24. Dezember alle zusammen an einem großen Tisch sitzen und den Abend verbringen. Ohne meine Familie  ist es nicht Weihnachten, da helfen auch noch so viele Lichterketten nicht.

Ich denke an euch! Ihr seid im Herzen bei mir.


7 Kommentare

On the road again – Part 3: Cartagena und die Islas de Rosario

Am letzten Tag im Tayrona Nationalpark machten wir uns nach einem entspannten Start in den Tag auf dem Weg zum Ausgang. Mit deutlich weniger Gewicht in den Rucksäcken (das Essen hatten wir ja verspeist), sind wir wieder zu Fuß eine Stunde zum Ausgang gewandert.

Auf dem Weg trafen wir zwei Spanier, die ebenfalls den Park verlassen und nach Cartagena wollten. Mit viel Wehmut am Ausgang, angekommen, denn der Nationalpark war wirklich eines der Highlights dieser Reise, trennten sich aber auch schon wieder unsere Wege. Die Jungs wollten den üblichen Weg nehmen (mit dem Bus bis zum Markt in Santa Marta, mit dem Taxi bis zum Terminal und von dort aus mit dem Bus weiter), wir wollten versuchen direkt an der Straße am Park einen Bus anzuhalten der bis nach Cartagena fährt. Und siehe da, 10 Minuten nachdem die Herren schon unterwegs waren, hielt ein Bus der uns mitnehmen und tatsächlich auch bis Cartagena fahren würde! Kurz vorm einsteigen fragte ich noch „Aber es gibt eine Klimaanlage?“…denn diese drehen Kolumbianer gerne so krass auf, dass man mit Fließpulli gut beraten ist. „Jaja, natürlich“.

Natürlich gab es eine Klimaanlage…leider hat die aber nicht funktioniert. Leider hatten wir auch keine Sitze, weswegen kurzerhand aus Eimern und Sitzpolstern Sitze im Gang des Busses improvisiert wurden. Die anderen Sitze sahen aber auch nicht viel besser aus, viele wurden mit Seilen aneinander festgebunden, damit die Lehne nicht nach hinten wegklappt. Dann wollte dieser nette Kerl vom Anfang auch nochmal eben 35.000 Pesos von jedem von uns haben..blanke Abzocke. Aber nicht mit uns…für 22.000 Pesos sind wir nachher pro Person gefahren und sollten damit gute 15.000 Pesos günstiger fahren, als unsere spanischen Kollegen, die wir in Cartagena wieder treffen würden.

Jedoch hatten wir bis dahin noch einiges auszuhalten…unerträgliche Hitze, eine Polizeikontrolle, bei der drei Säche Reis aus dem Bus getragen wurden (Reis?) und ein Zwischenstopp in Barranquilla, bei dem wir zum Glück den Bus wechseln würden. Bevor wir jedoch den Bus gewechselt haben, hielt dieser noch etwa 20 Minuten in Barranquilla an und dann erfuhren wir auch, warum die Kilmaanlage nicht funktionieren konnte: Der Bus schmuggelte in seinem Dach mehrere riesige Säcke Reis! Zumindest hoffe ich, dass es nur Reis gewesen ist…aber nach zwanzig Minuten, in denen die Reissäcke aus dem Bus herausgetragen wurden, war ich auch mit meiner Geduld am Ende. Beim nächsten „tranquila“ (keine Sorge) auf unsere Fragen, wann und ob wir denn noch den Bus wechseln würden, ob der andere denn auch eine Klimaanlage hätte, etc, wäre ich dem Kerl sicher ins Gesicht gesprungen!
Schlussendlich wechselten wir den Bus und kamen zur gleichen Zeit wie unsere Spanier in Cartagena an. Dort nahmen wir zusammen einen Bus Richtung altes Stadtzentrum…Unesco-Weltkulturerbe und einfach wunderschön anzusehen!

Nach einer kleinen Wanderung durch die Altstadt, auf der Suche nach einem netten, günstigem Hostel, kamen wir schließlich im „La Casona“ an, einem tollen Hostel mit Klimaanlage und Dachterrasse! Für 20.000 Pesos pro Nacht bekamen wir sogar noch ein fruchtiges, kleines Frühstück UND es gab sogar schwarzen Tee..richtigen, schwarzen Tee…eine Seltenheit in Kolumbien.

Am Abend hatten wir dann noch unsere Tour zu den Islas de Rosario, genauer zum Playa Blanca auf der Isla de Baru gebucht. Wir wollten uns Zeit lassen und mit dem großen Boot gemütlich hintuckern. Das würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, jedoch wäre es günstiger und da wir eh geplant hatten eine Nacht dort am Strand zu verbringen, würde die Mehrzeit nicht ins Gewicht fallen. Anschließend sind wir noch bei Nacht durch die Altstadt Cartagenas gewandert und haben den Tag bei einem kühlen Bier auf der Dachterasse ausklingen lassen.

Den nächsten Tag hieß es dann früh aufstehen, Rucksäcke umpacken, Frühstücken und los…und…wir haben das Boot natürlich verpasst!  Bis dahin ist alles dermaßen glatt gelaufen auf dieser Reise, dass natürlich irgendwann mal etwas nicht klappen musste. Dieser Tag war heute. Wir sahen das Boot schon ablegen, dabei waren wir ganz kolumbianisch nur zehn Minuten zu spät. Nach einigem hin und her konnten wir jedoch unsere Tickets auch für den morgigen Tag verwenden und zogen unseren Tag in Cartagena einfach vor. Wir sind durch die Stadt gewandert, haben Souvenirs gekauft (für uns selbst und natürlich auch für die Gastfamilien), sogar einige Mochilas zu annehmbaren Preisen gefunden, waren Eis essen, haben die Hitze und den Regen genossen und zum Ende des Tages gekocht und wieder auf der Dachterasse den Abend beschlossen.

Am nächsten Tag ging es nun aber wirklich auf die Islas de Baru. Ganz deutsch und überpünktlich waren wir am Pier und haben es uns auf dem Boot gemütlich gemacht. Unerklärlicherweise konnte das Boot auf Kolumbianer diesmal durchaus 15 Minuten warten, aber nun gut. Die Fahrt gestaltete sich zudem als eine schaukelige Angelegenheit und ich verstehe bis heute nicht, warum der Kaptain immer parallel zu den Wellen gefahren ist. Mit leichter Übelkeit kamen wir nach etwa drei Stunden an der ersten Insel an. Dort gibt es ein Aquarium mit Delphinshow, die wir uns jedoch nicht ansehen wollten um die Tierhaltung und solche Shows nicht noch zu unterstützen. Anschließend ging es jedoch direkt zur Isla de Baru…und damit zu einem der schönsten Strände an der Karibikküste Kolumbiens (schreibe ich das eigentlich über jeden Strand?).

Kristallklares Wasser, ruhige See, Korallen, Fische, Muscheln, Palmen – schlichtweg wunderschön. Wir suchten uns gleich zum Anfang eine Möglichkeit zu übernachten (wieder mal günstige 8.000 Pesos für eine Hängematte). Erneut mussten wir auf elektrisches Licht verzichten…neu war jedoch, dass es auch keine richtige Dusche, geschweige denn eine Klospühlung gab…aber hey, wir waren auf einer der schönsten Inseln, da kann man auch einmal eine Nacht mit dem Eimer Wasser schöpfen und auf die Art duschen und spühlen 😉

Der Sonnenuntergang mit Cocktail (ja…schon wieder!) und Musik einer umherziehenden Band aus verschiedenen Nationen, direkt am Strand war einfach unbezahlbar. Vor allem da die meisten Kolumbianer die den Playa Blanca besuchen Tagesausflügler sind. Das heißt, dass lediglich einige Backpacker über Nacht bleiben und es ab 17 Uhr herrlich ruhig wird. Erst dann entdeckt man die wirkliche Schönheit dieses Ortes, abseits von Händlern die einem immer etwas verkaufen oder Damen die einen gerne massieren wollen.

Auch der nächste Morgen war einfach herrlich und wir genossen noch etwas die Ruhe am Strand, bevor die ersten Touristen kamen. Als wir uns dann wegen der Abfahrtzeit informieren wollen, sprang mich am Strand ein riesiger Mann an…ich brauchte zwar einige Sekunden, aber irgendwann hatte auch ich dann begriffen, dass das Sebastian, ein weiterer deutscher Freiwilliger aus Kolumbien war, der zufälligerweise am gleichen Tag die Insel besucht hat. Mit diesem haben wir uns dann abends auf ein Bier auf der Dachterrasse (wir mochten die einfach sehr!) verabredet. Vorher gab es aber noch, nach unserer Ankunft von der Isel, die ersten deutschen Bratkartoffeln in Kolumbien. Eigentlich haben wir uns bis auf wenige Ausnahmen auf dieser Reise nur vegetarisch ernährt, da eine unserer Mitreisenen Vegetarianerin ist. In Kolumbien generell erstmal keine einfache Sache, denn immer kommt die gleiche Reaktion, wenn man Kolumbianern sagt, dass man kein Fleisch ist „Auch kein Hühnchen? Auch kein Schinken? Auch keinen Fisch?“. Nach sechs Monaten in denen wir Nichtvegetarianer jedoch jeden Tag Fleisch zu essen bekommen haben, war es für mich durchaus eine nette Abwechslung.

Am Sonntag hieß es dann Mittags für uns: Abschied nehmen von Cartagena, der schönsten Stadt an der Karibikküste und zu Recht Unesco-Weltkulturerbe. Für uns ging es wieder nach Barranquilla, wo wir nur eine Nacht in einem familiären Hostel verbrachten und am nächsten Tag wieder zurück nach Bogotá fliegen würden.

Zu viel, viel Wehmut über das Ende unserer Reise mischte sich jedoch für mich auch ein bisschen Freude, denn ich würde Menschen wiedersehen, die ich auf dieser Reise schmerzlich vermisst habe. Außerdem finde ich das Klima in Bogotá gar nicht mehr so schlimm…im Gegenteil…es ist sehr schön, dass man nicht permanent schwitzt oder mit Sonnencreme und Anti-Insekten-Mitteln eingeschmiert ist.

Dennoch reichen zwei Wochen für die Karibikküste gerade so aus. Im Gegenteil, eine weitere Woche hätten wir durchaus gebrauchen können, um die La Guajira (ein wüstenartiges Departemento Kolumbiens an der Küstengrenze zu Venezuela, mit dem nördlichsten Punkt Südamerikas) zu erkunden. Die La Guajira steht definitiv noch auf meiner „Must-See“-Liste und ganz generell möchte ich definitiv nochmal wieder an die Karibikküste Kolumbiens.
Insgesamt haben wir knapp 1.200.000 Pesos für die 16-tägige Reise ausgegeben, das sind knapp 600 Euro. Darin beinhaltet der Flug (für günstige 200.000 Pesos) und die Tour zur Ciudad Perdida (für 600.000 Pesos). Für Reiseinteressierte der Hinweis: Unsere Mitreisende die in der La Guajira war hat für die fünftägige Reise dorthin etwa das gleiche ausgegeben, wie wir für die Fünftagestour zur Ciudad Perdida. Sicherlich lässt es sich auch günstiger reisen, wenn man auf solche Trips verzichtet und auch die Insel in Cartagena ausgelassen hätte, allerdings waren das eindeutige Highlights und jedes ihr Geld wert.

Das ist nun das Ende der dreiteiligen Serie zu unserer Karibikreise. Ich hoffe ich konnte euch etwas die Schönheit und Besonderheit Kolumbiens vermitteln. Für weitere Infos und Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Ansonsten folgen bald weitere, hoffentlich nicht langweiligere, Artikel rund um das Leben in Bogotá.

PS: Ich freue mich über jegliches Feedback und lerne gerne neue, stille Leser kennen…also kommentiert, schreibt eine Mail, etc. etc.


Ein Kommentar

On the road again – Part 2: Taganga und der Nationalpark Tayrona

Nachdem wir aus der Ciudad Perdida Tour zurück in Santa Marta angekommen sind, ging es gleich im Anschluss weiter nach Taganga, einem kleinen Fischerdorf bei Santa Marta. Für günstige 7.000 Pesos wurden wir von dem Taxi und mit unseren Einkäufen (denn in Taganga gibt es nur kleine Läden und da wir im Anschluss weiter nach Tayrona wollten, mussten wir vorsorgen) direkt vor unserem Hostel „Casa de Maria“ abgesetzt.
Am Abend musste erstmal dringend so einige Wäsche gewaschen werden, da wir wohl sonst nie in einen Bus gelassen worden wären…nasse Wäsche durch ein Tropengewitter wird im Rucksack eben nicht besser. Totmüde wurde das letzte Video gedreht und dann ging es auch früh ins Bett. Der nächste Tag startete mit einer kleinen Erkundungstour durch Taganga und einer kleinen Wanderung zum Playa Grande der in der nächsten Bucht liegt. Dieser hat uns leider durch zu viel Ballermann-Feeling enttäuscht, weswegen wir gleich weiter zur nächsten kleinen Bucht schwimmen und schnorcheln gegangen sind.

Da die Fünftageswanderung zur Ciudad Perdida durchaus ihre Spuren hinterlassen hatte, wurden wir auch an diesem Abend nicht alt. Am nächsten Tag ging es dann direkt morgens weiter nach Santa Marta um unsere Lebensmittel- und Wasservorräte aufzufüllen, da wir noch an diesem Tag in den Tayrona Nationalpark wollten, dessen Eingang etwa eine Stunde Busfahrt von Santa Marta entfernt liegt.
Schwer (wirklich schwer!!!) bepackt mit unseren Rucksäcken und viel Wasser und Lebensmitteln ging es dann im Bus (in dem wir eine deutsche Mitreisende von der Ciudad Perdida-Tour wiedertrafen) vom Markt in Santa Marta los zum Eingang des Parkes.

Ausländer ohne permanente Aufenthaltserlaubnis in Kolumbien müssen für den Park 35.000 Pesos Eintritt zahlen, Kolumbianer deutlich weniger…aber da das Geld angeblich – und hoffentlich – in den Erhalt des Parks investiert wird, machte uns das auch nicht viel aus. Kurz kam Panik auf, als unsere Bekannte meinte dass gerne mal die Rucksäcke nach Alkohol und Drogen durchsucht werden. Nein…denkt jetzt nichts falsches von uns…wir wollten uns nur den Traum eines Cocktails am Karibikstrand erfüllen und hatten daher eine Flasche Rum tief in meinem Rucksack versteckt. Zum Glück war die Polizei am Eingang uns jedoch freundlich gesinnt und wir durften ohne weitere Probleme den Eingang passieren und unsere schweren Rucksäcke auf den kleinen Collectivo (Bus) bugsieren, der uns für günstige 2.000 Pesos (weniger als ein Euro) etwa zehn Minuten Fahrtweg in den Park bringen sollte. Ab dem Punkt wo der Bus hält fahren keine Fahrzeuge mehr…man läuft…oder reitet auf einem Mula. Zwar hätten wir unser Gepäck von diesem für 16.000 Pesos bis nach Arrecifes bringen lassen können, aber wie schon bei der Ciudad Perdida Tour hielt uns unser Ehrgeiz davon ab. Zumindest zwei von uns und Anisja würde sich auf dem Weg bis zur Finca Don Pedro, wo wir übernachten würden, noch oft darüber beschweren, dass wir die acht Euro nicht einfach investiert haben.

Nach etwa 1,5 Stunden (die Rucksäcke waren wirklich, wirklich schwer…) erreichten wir dann völlig geschafft und müde unsere Herberge. Die Finca Don Pedro, relativ in der Mitte der Nordküste des Parkes. Zwar etwas abseits gelegen und man muss einen etwa 20 minütigen Fußmarsch bis zum nächsten Badestrand zurücklegen, aber dafür auch ruhig, friedlich, weitläufig und einfach wunderschön.
Mitten zwischen Kokusnusspalmen, bei denen man immer aufpassen musste, dass einem keine frische Kokusnuss auf den Kopf fällt und diesen dadurch wahrscheinlich eher spalten würde als die Kokusnuss sich selbst, war unser kleine Hütte mit den Hängematten die für günstige 8.000 Pesos die Nacht unser Schlafplatz für die kommenden drei Nächste werden würde.

Schnell eine Hängematte reserviert und die Rucksäcke verstaut, den Bikini an und schon waren wir auf dem Weg zum Strand, den wir noch rechtzeitig vorm Sonnenuntergang besuchen wollten. Im Park muss man besonders aufpassen…denn wenn die Sonne hier um sechs Uhr untergeht ist es um 6:30 p.m. bereits stockdunkel. Nach einigen Stunden am Strand fanden wir wirklich eine Ecke in der wir ins Wasser gehen konnten. Direkt bei Arrecifes sind die Strömungen nämlich zu stark und viele Hinweisschilder verweisen darauf, dass man sich doch bitte nicht den über einhundert bereits hier Ertrunkenen anschließen solle.

Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang im Rücken gingen wir dann wieder zurück ins Hostel und machten uns daran, uns ein Abendessen über einer Feuerstelle zu zaubern. Ich glaube es war Reis mit Tomaten und Karotten. Oder Nudeln mit Tomaten und Karotten. So oder so stand am Ende dieser Tage im Tayronapark fest: In Cartagena würde es keine Karotten mehr geben!

Am zweiten Tag im Park wollten Anisja und ich ihn schon wieder verlassen. Wir hatten von einem netten Fischerdorf etwas weiter östlich namens „Palomino“ gehört, welches wir uns gerne ansehen würden, nicht ohne die Hoffnung dort vielleicht auch schöne Mochilas kaufen zu können. Patricia wollte sich in der Zeit das Pueblito, ein Indianerdorf im Tayronapark ansehen, wofür sie gute drei Stunden Wanderung auf sich nehmen müsste. Da wir solche Dörfer auf dem Weg zur Ciudad Perdida des öfteren gesehen hatten, teilte sich für diesen Tag unsere Gruppe auf. Und wir würden die Gelegenheit bekommen unsere Wasservorräte aufzufüllen.
Ein Problem gab es jedoch: Wir waren uns nicht sicher, ob wir den Park einfach so würden verlassen können. Nach der Wanderung zurück zum Eingang sind wir mit dem Collectivo zurück gefahren und hatten die Schranke schneller passiert, als wir Bescheid sagen konnten, dass wir heute gerne noch wieder zurück in den Park wollten. Also wieder zurück zum Kassenhäuschen und gefragt…zum Glück hatte ich unseren Kassenzettel dabei, den brauchten wir nämlich. Es ist zwar möglich den Park zu verlassen, jedoch nur für den Tag, die Nacht muss man wieder im Park verbringen, welcher um 5 p.m. die Tore schließt. Das passte uns jedoch gut in den Zeitplan und daher sind wir mit einem Bus für 5.000 Pesos nach Palomino gefahren.

Auch hier war der Weg mit dem Bus an der Küste wirklich wunderschön und auch wenn man denken würde, dass die Einheimischen an der Küste Touristen deutlich eher gewohnt sind als in Bogotá…waren wir anscheinend dennoch unheimlich interessant.
In Palomino angekommen die erste Ernüchterung: Von malerischem Fischerdorf keine Spur. Eher war der Ort eine Ansammlung von kleinen Häusern und Hütten direkt an der Hauptstraße…auch von Mochilas kein Zeichen.
Nun, zum Glück hatten wir uns doch noch entschieden die halbe Stunde zum Strand zu laufen, denn dieser war einfach atembraubend! Kokusnusspalmen direkt am Strand, umgedrehte kleine Fischerbote, Einsamkeit pur und weißer Sand machten den Karibikstrand perfekt. Palomino gehörte definitiv zu einem meiner Lieblingsstrände an der Küste…es war einfach wunderschön.

Nach einigen Stunden am Strand haben wir dann auch bald nach einigen Einkäufen den Rückweg angetreten. Hier hat sich eine der für mich nettesten Begegnungen ergeben…ein riesiger Reisebus hat uns aufgegabelt und wollte uns bis zum Eingang des Tayronaparks mitnehmen. Der Busfahrer schickte erstmal kurzerhand seinen Kumpanen nach hinten, so dass Anisja und ich vorne im Bus mitfahren und uns mit dem Busfahrer unterhalten konnten. Eine Stunde voller netter Gespräche, verschiedener Ansichten, Musik, Tanz und der Einladung doch um ein Uhr heute Nacht mit nach Rihoacha zu kommen, waren wir dann wieder am Eingang angekommen. Geld wollte der nette Busfahrer am Ende auch keines haben. Und auf uns warteten…natürlich…wieder der Collectivo…und…die Stunde Fußweg. Zum Schluss jedoch gab es nach dem Abendessen noch den heiß ersehnten Cocktail am Karibikstrand. Unterm Sternenhimmel mit tierischer Begleitung (Krokodil!).

Am nächsten Tag wollten wir endlich mal den Karibikstrand pur genießen und den Tag zusammen damit verbringen, alle Buchten bis hoch zum Cabo San Juan abzulaufen. Das Cabo ist der westlichste Ort im Park und hier befinden sich definitiv die meisten Besucher. Doch schon das Frühstück begann außergewöhnlich: Nachdem eine Kokusnuss mich fast erschlagen hatte (ich übertreibe nur geringfügig), wollte ich gerne Rache für die Attacke üben. Also sammelten wir noch eine zweite Nuss ein und fragten Don Pedro (den älteren Herrn, den die Finca gehört), ob er uns beim öffnen behilflich sein könnte. Er konnte. Mit einem Werkzeug dass wie eine riesige Heckenschere aussah hat er erst die grüne Hülle der Kokusnuss geöffnet und anschließend mit seiner Machete die Nuss für uns so gekonnt geöffnet, dass wir zum Frühstück sowohl die Milch, als auch das Kokusnussfleisch genießen konnten. Nunja…wenigstens zwei von uns…Anisja mag keine Kokusnuss, wie sich schnell herausstellte. Noch dazu gab es das wohl leckerste, frisch gebackenste Schokobrot, dass ich je gegessen habe. Direkt neben unserer Hängemattenhütte gebacken konnten wir es uns nicht verkneifen, uns jeden Tag eines dieser leckeren Brote zu gönnen.

Danach ging es dann wieder zum Strand „Las Piscinas“, dem nächstgelegenen Badestrand von Arrecifes aus. Dort verbrachten wir einige entspannte Stunden unter einer Palme, Kokusnuss essend, badend, schnorchelnd…sonnenverbrannt. Anschließend sind wir noch hoch zum Cabo gewandert, fanden jedoch, dass wir richtig entschieden hatten, den Großteil des Tages am Las Piscinas zu verbringen. Mit dem Sonnenuntergang im Rücken ging es dann zurück in die Finca.

Am kommenden Tag ging es dann nach einem langsamen Start auch wieder inklusive Gepäck auf dem Weg zum Eingang. Unser nächstes Ziel: Cartagena!


3 Kommentare

On the road again – Part 1: La Ciudad Perdida

Vorab: Entschuldigt die Länge des Eintrages. Mir wurde schon gesagt, dass ich dazu neige zu lange Artikel zu schreiben. Aber diese Erfahrung will ich definitiv mit euch teilen. Hier wird ja aber auch keiner gezwungen weiterzulesen, wenn er gelangweilt ist.

Am 1. Juli ging es direkt morgens früh los mit dem Flieger von Bogotá nach Barranquilla. Wofür man mit dem Bus kanpp 24 Stunden (dank der Anden und den Straßen) braucht, legt man fliegend in knapp 50 Minuten zurück. In diesen 50 Minuten ändern sich aber die Höhenverhältnisse von 2600 Meter auf Küstenhöhe. Das heißt vor allem dass sich die Temperaturen verändern. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen traf uns der Schlag…über 30 Grad und Sonne statt bewölkte 15 Grad und Regen in Bogotá.

Vom Barranquilla Flughafen ging es mit dem Taxi zum Terminal, von dem aus die Busse in alle Richtungen des Landes fahren. Da Barranquilla nicht wirklich die schönste Stadt an der Küste ist und wir schon öfter gehört haben, dass es dort nicht viel zu sehen gibt, sind wir direkt weiter mit dem Bus für günstige 10.000 Pesos (etwa 5 Euro) nach Santa Marta gefahren. Zum Glück hatte ich schon gehört, dass die Busse gerne arg klimatisier sind…der Fließpulli hat mir doch sehr geholfen.
In Santa Marta angekommen haben wir erstmal unser Hostel gesucht (La Brisa Loca) und sind danach gleich wieder los um unseren Trip zur Ciudad Perdida zu organisieren. Dort kommt man nämlich nur auf Einladung der dort lebenden Indigenen oder über spezielle Unternehmen hin, die en Trip organisieren. Dazu aber später mehr. Nach einigem hin und her hatten wir uns entschlossen die Tour mit Magictours zu machen. Am nächsten Tag sollte es los gehen. Wichtig war vor allem: Leichtes Gepäck. Mit meinem großen Trekkingrucksack (65 Liter) wäre das doch sehr anstrengend geworden. Also mussten wir erstmal unsere Sachen umpacken und haben uns auf den kleinen Rucksack von Anisja beschränkt. Patricia, unsere andere Mitreisende würde die Tour nicht mitmachen und in der Zeit mit anderen Freunden die La Guajira besuchen und die Küste in Richtung Venezuela abfahren.

Eine kurze Erklärung, was die Ciudad Perdida eigentlich ist. Übersetzt heißt es „die verlorene Stadt“ (der indigene Name ist Teyuna) und sie ist die zweitgrößte wiederentdeckte präkolumbische Stadt neben Machu Picchu. Sie umfasst etwa 200 Steinterrassen, welche zwischen 700-1300 vom indigenen Volk der Tairona erbaut wurde. Als die Spanier Kolumbien eroberten und bevölkerten, musste sich dieses indigene Volk aufgrund der sich seuchenartig ausbreitenden Krankheiten immer weiter in die Berge zurückziehen. Die Stadt liegt auf etwa 900-1.200 Metern Höhe mitten im Nationalpark „Sierra Nevada“. Zwar gibt es einen Hubschrauberlandeplatz (da das Militär dieses Gebiet von den FARC-Guerillas sichern muss), jedoch kann die Stadt eigentlich nur über eine dreitägige Wanderung durch die Sierra Nevada erreicht werden. Der Rückweg beträgt dann zwei Tage, was die Tour insgesamt auf fünf Tage streckt.

Wie schon erwähnt kann man nur auf persönliche Einladung der dort lebenden Indigenen den Weg zur Ciudad Perdida begehen, oder man bucht eine Tour über verschiedene Anbieter, die dies, sowie die Unterkunft, Verpflegung, etc. organisieren. Dies kostet bei jedem Anbieter das gleiche, 600.000 Pesos (etwa 280 Euro). Unsere Truppe bestand insgesamt aus etwa 16 Personen, darunter waren so ziemlich alle Nationen vertreten…von Amerikanern über Briten, einem Holländer, einem Neuseeländer, eine Französin, eine Venezolanerin, eine Kolumbianerin, insgesamt drei Deutschen und und und.

Tag 1:

Wir trafen uns also am Montag um 8 Uhr und sind in zwei Jeeps von Santa Marta aus an der Küste entlang zum „Eingang“ der Stadt gefahren. Der Eingang bestand aus einem abenteuerlichen Pfad in die Berge, die der Jeep dermaßen rumpelnd zurücklegte, dass ich erstmal seekrank wurde. Nach etwa einer Stunde mit leichter Übelkeit kamen wir endlich an unserem Ziel an, einer Hütte an der es Mittagessen geben sollte. Noch kurz mit Sonnencreme eingeschmiert und nach der Stärkung ging es zu Fuß los…die Tour begann.

Und gleich mussten wir einen Fluss überqueren, den ersten von vielen, und bei jedem habe ich meine Trekkingsandalen gefeier und nur gehofft dass ich nicht den Abgang ins Wasser mache und meine liebe Spiegelreflex dem Tode weihe. Danach ging es eigentlich nur bergauf. Der erste Tag und der letzte Tag seien die schwersten, so unsere beiden Guides, die uns heil zur Stadt begleiten sollten. Jeden Tag würden wir um die fünf Stunden wandern. Und jeden Tag würden wir im Fluss in natürlichen „Pools“ baden können. Den ersten hatten wir auch schnell erreicht, nach etwa 20 Minuten Wanderung. Nach einer erfrischenden Abkühlung ging es dann erst richtig los…ein 600 Meter Anstieg wartete…für mich als Flachlandgeschöpf das nur den Deich kennt bei 30 Grad und knallender Sonne doch eine Erfahrung. Zudem war mein ganzer Organismus durch die arg starken Antibiotika der vorherigen Woche noch sehr geschwächt…was mich auf dem Gipfel des Berges erstmal fast umgehauen hätte. Aber durch reichlich Wasser und eine kleine Pause ging es dann doch.
Zum Glück hatten wir unsere Sachen in einem Rucksack organisiert, so konnten wir uns abwechseln. Aber eben so schnell hat sich herausgestellt, dass man doch viele unnötige Dinge mitgeschleppt hat. Warum ich auf die Idee kam mitten im Dschungel Handyempfang zu haben und beide Handys sowie das Ladekabel mitschleppte ist mir heute noch unklar. Ebenso warum ich davon ausging, dass es Möglichkeiten geben würde die Kameraakkus aufzuladen. Auch so einige Klamotten hätte man sich schenken können, denn in den kommenden Tagen würden wir doch irgendwie immer wieder auf die gleichen Hosen und T-Shirts zurückgreifen.

Gegen 13 Uhr kamen wir dann also erschöpft aber glücklich im ersten Camp an. Diese Nacht sollten wir in Hängematten schlafen. Das erste Ziel: Die Duschen! Und tatsächlich, eiskalt, aber erfrischend konnten wir uns den Schweiß abwaschen…nur um danach wieder zu schwitzen. Mein größten Respekt für die Guides und die weitere Staff…die sich gleich daran machten ein Mittagessen zu zaubern. Der Nachmittag verging zu schnell und nach dem Abendessen ging es völlig erschöpft um 10 Uhr ins Bett.

Am ersten Tag haben wir auch damit angefangen ein Videotagebuch zu führen. Jeden Abend, egal wie müde, haben wir uns aufgerafft und einen kurzen Abriss des Tages von uns gegeben. Wenn die Videos geschnitten und bearbeitet sind, werden die den Artikel noch ergänzen.

Das Highlight dieses Tages: Der Skorpion in der Dusche, Reisetagebucheinträge bei Kerzenlicht, die erste Nacht in der Hägematte.

Tag2:

Der Tag Zwei begann vor allem früh. Gegen 5:30 Uhr gab es Frühstück: Eier. Ich hatte seit etwa einem Monaten darauf verzichtet Eier zu frühstücken. Hierzu den kurzen Exkurs, dass ich in Deutschland vielleicht 10 Eier im Jahr frühstücke. Ich mag sie auch nicht so besonders. Hier in Kolumbien gibt es jeden Tag zwei Eier zum Frühstück. Nach etwa vier Monaten mit Eiern konnte ich sie einfach nicht mehr sehen und habe beschlossen keine Eier mehr zu frühstücken. Also gab es für mich Toast und Früchte.
Danach hieß es schnell Sachen packen und um 6:30 Uhr haben wir das Camp verlassen. Nach einem entspannten Anfang wartete ein sehr steiler 30minütiger Anstieg auf uns, den wir auch mit vielen Pausen voller Elan meisterten. Oben angekommen gab es Orangen zur Stärkung, bevor wir entspannt eine ganze Weile bergab gehen konnten. Schon hier konnte man sehen wie sich das Klima und die Vegetation veränderte. Wer sich während der Tour nicht die Zeit nimmt die unglaubliche Natur zu bewundern, sollte diesen Trip nicht machen. Denn uns war schon von Anfang an klar: Der Weg ist das Ziel!

Am Zwischenstopp angekommen gab es Wassermelone (der arme Träger der diese die ganze Zeit getragen hat! Zwar hatten wir Maultiere die Lebensmittel, etc getragen haben, aber spätestens ab Camp 2 konnten diese nicht weiter mitgehen und die Zwischenverpflegungen hatten immer die Guides dabei). Und anschließend konnten wir eine kleine Schwimmpause im Fluss einlegen, welcher mit jedem Tag etwas kälter wurde. Alleine dieser war beeindruckend…zwischen Lianen die von Bäumen hingen glizerte es im Wasser immer goldend auf, was einem den Mythos von El Dorado gar nicht so unwirklich erscheinen ließ.

An diesem Tag trafen wir auch auf das erste indigene Dorf der Kogi-Indianer, die noch heute annähernd so leben wie vor hunderten von Jahren. Wenn nicht jeden Tag Touristen auf dem Weg zur verlorenen Stadt wären, wären sie ungestört. Kein Wunder, dass sie die Existenz der Stadt bis 1947 geheim halten konnten. Da wurde sie entdeckt, geplündert und anschließend zum Marihuanaanbau genutzt, bevor sie archäologisch aufgearbeitet wurde. Der früher für die Kogi heilige Platz wird von ihnen heute gemieden. Obwohl der Tourismus in keinster Weise mit z.B. Maccu Picchu zu vergleichen ist, hat mir dies doch zu denken gegeben.

Im Camp zwei angekommen würden wir diese Nacht in Betten verbringen, natürlich nicht ohne das unverzichtbare Moskitonetz. Nach netten Gesprächen, einem abendlichen, tropischen Regenschauer und gutem Essen (wie konnten die das nur mittem im Dschungel zaubern?), ging es wieder früh ins Bett.

Highlights des Tages: Die böse große Spinne die der Guide direkt in mein Gesicht hielt (!!!), das Probieren frischer Kokablätter, mein unerklärlicher Energieschub am Abend, bei dem die anderen Reisenden nur die Köpfe schüttelten.

Tag 3:

Auch heute hieß es wieder früh aufstehen. Und hier konnten wir das erste Phänomen des sich wandelnden Klimas bemerken: Sachen die abends zum trocknen aufgehängt wurden, waren nicht trocken und würden es die nächsten zwei Tage auch nicht mehr werden. Ein kurzes Frühstück – Eier!! Und anschließend ging es los…hier fühlte ich mich zum ersten Mal wirklich auf dem Weg zur verlorenen Stadt. Der Weg änderte sich vom Trampelpfad zu einem kaum erkennbaren Weg zwischen den Bäumen, 30 Metern über dem Fluss ohne jegliche Absicherung. Der Weg ab diesem Tag hätte sicherlich keine europäischen Sicherheitsstandards erfüllt. Am nettesten war noch das gelbe „Peligro“(Gefahr!)-Flatterband dass an zwei Stellen angebracht war, wo es steil nach unten ging. Von etwa 50 die wir an diesem Tag passieren sollten. Meine leichte Höhenangst wurde da schon arg auf die Probe gestellt. Und natürlich…mussten wir auch eine Hängebrücke passieren. Allerdings immernoch besser als der Korb mit dem die Touristen vorher auf das andere Ende gezogen wurden. Denn dabei ist schon jemand ums Leben gekommen. Einer von zwei Toten und einigen Verletzen, die wie wir auf dem Weg zur verlorenen Stadt waren.

Anschließend ging es, wieder mal, bergauf. Oben angekommen gab es die besten Bananen die ich je essen durfte…ich glaube die Palme von der diese gepflückt wurden habe ich sogar noch vor Ort gesehen. Danach ging es abwechslungsreich bergauf, bergab durch den Dschungel, vorbei an ausgehölten riesigen Bäumen, witzigen Insekten, unbekannten Pflanzen, einigen Soldaten und Wasserfällen hinunter zum Fluss, den wir wieder einmal passieren mussten. Danach wurde der Weg noch abenteuerlicher…bis wir im Camp drei ankamen.

Auch hier warteten Betten auf uns, außerdem wie in fast jedem Camp ganz herzzerreißende Katzen die meine Katzenfrauseite zum Vorschein brachte…dass die liebe Anisja nicht die Flucht ergriff ist mir heute noch unbegreiflich. Außerdem gab es einen wunderbaren Wasserfall direkt neben dem Camp und natürlich wieder die Möglichkeit zu baden. Zwar hatten wir eigentlich vor die Stadt heute noch zu sehen, jedoch machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn bereits um 13 Uhr fing es oben an zu regnen und Auf- sowie Abstieg bei Regen sind ziemlich gefährlich.

Highlight des Tages: Popkorn im Dschungel (!!!), einem kolumbianischen Guide Rommé beibringen, die Geschichte zur Stadt und der Indigenen, die Rolle als Teilübersetzerin, die herzzereißende kleine Katze mit einem fehlenden Bein die ich sofort adoptiert hätte wenn möglich.

Tag 4:

Heute. Endlich. Die Ciudad Perdida. Erneut ging es (viel zu) früh los. 5:30 Uhr war als Startzeit gesetzt. Nur die nötigsten Sachen würden wir mitnehmen (Sonnencreme, Anti-Mücken-Mittel, Kamera und Wasser…und für mich natürlich noch das Häkelschwein, mein treuer Begleiter in diesem Jahr). Und nach kurzem Weg und erneuter Flussüberquerung kamen wir am Anfang der Stadt an. 1.200 Steinstufen trennten uns nun noch vom Ziel der Reise. Aber genau die hatten es in sich, rutschig, ohne eine Möglichkeit sich festzuhalten, ging es nochmal 300 Meter in die Höhe.

Oben angekommen hatten wir sie endlich erreicht. Die ersten Terrassen waren noch im Wald versteckt, man musste sie fast erahnen. Aber das fazinierende Lichtspiel hat eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Und ehe man sicht versieht tritt man aus dem Wald auf die freien, großen Steinterrassen die das ehemalige Zentrum der Stadt bildete in der zu seiner Hochzeit bis zu 8.000 Indigene lebten. Vielleicht muss man ein klein bisschen Geschichtsfreak sein oder einfach einen Sinn dafür haben, aber für mich war der Anblick einfach Wahnsinn. Nicht nur die Natur, die Vögel und Tierwelt, die aufsteigende Feuchtigkeit aus den Bäumen die sich zu Wolken formierte aus denen sich die Berge rund um die Stadt erhoben oder der Wasserfall waren wunderschön, auch die Steinterrassen haben mich fasziniert. Vielleicht verfalle ich zu viel der Schwämerei, aber für mich war es definitiv einer der schönsten Orte, die ich je sehen durfte.

Nach etwa zwei Stunden ging es dann bergab. Und an einer der Terrassen konnten wir eine ziemlich große, ziemlich lange Schlange beobachten. Als unser Guide dazukam, hat er uns gleich erstmal einen Schritt zurücktreten lassen, da sie dazu noch ziemlich giftig sein sollte. Und als ich ein Foto machen wollte…passierte es natürlich…mein Häkelschwein, treuer Begleiter auf allen Reisen, fiel herunter, direkt neben die Schlange. Ich hatte ihn schon für verloren erklärt und dachte mir…immerhin hat er eine schöne Ruhestätte…hier oben. Da fragt unser Guide uns, ob wir alle Fotos haben, nimmt Steine und verscheucht die Schlange ins Gebüsch. Nur ob sie einen Meter oder 10 weg ist, das konnte keiner wissen. Trotzdem ist er ganz heldenhaft heruntergesprungen und hat das Schwein gerettet.

Nach einem kurzen Besuch am „Jungbrunnen“ machten wir uns wieder an den Abstieg, 1200 Stufen herab. Camp drei passierten wir, es gab ein kleines Mittagessen und wir machten uns auf den Weg zu Camp zwei, vielleicht sogar noch Camp eins. Auf halbem Weg find es jedoch an wie aus Kübeln zu gießen. Inklusive Blitz und Donner befanden wir uns also in einem netten kleinen Tropengewitter. Der Pfad war kaum noch zu erahnen und Bäche bildeten sich, die den ganzen Boden aufweichten. Zwischenzeitlich war es schon nicht ganz ungefährlich und der ein oder andere von uns ist ausgerutscht, jedoch zum Glück nicht abgestürzt (was ebenso leicht möglich gewesen wäre).

Im Camp zwei angekommen war klar, dass wir bei dem Wetter nicht weiter gehen konnten. Also würden wir die Nacht hier verbringen und am nächsten Tag die Strecke der ersten beiden Tage an einem zurücklegen.

Die Highlights des Tages: Natürlich die Stadt, die Rettungs des Häkelschweins, Wandern im Regen, die Freundin im Glück.

Tag 5:

Früh raus, sehr früh raus…wie die Tage zuvor. Auf uns sollten etwa 13 km Marsch warten, denn heute würden wir zurück nach Santa Marta kommen. Wieder veränderte sich die Vegetation merklich, es wurde laufend wärmer, schwüler und drückender. Und dann dachte man irgendwie, man wäre ja die ersten zwei Tage nur bergauf gegangen, deswegen würde es nun nur bergab gehen. Falsch gedacht, 1:20 h Anstieg straften diesen Gedanken Lügen. Allerdings wartete danach nur noch ein erneuter Anstieg von 20 Minuten bei brennender Sonne, bevor es 2-3 Stunden nur bergab gehen würde. Das jedoch ging ordentlich auf die Gelenke. Zum Schluss noch kurz im Fluss gebadet und dann waren wir auch schon wieder in unserer Starthütte, wo es wieder Mittagessen gab. Alle waren einfach nur müde, geschafft und völlig fertig. Unsere Gruppe hatte sich während des Weges getrennt, da einige wesentlich schneller waren und früher in Santa Marta sein wollten. Wir waren also so gegen 14 Uhr zurück in der Hütte und gegen 16 Uhr dann endlich wieder in Santa Marta.

Abschließende Gedanken: Dieser Trip war definitiv sein Geld wert und wie bereits gesagt, eine der tollsten Dinge, die ich bis jetzt machen durfte. Man muss jedoch einen Sinn für Geschichte und Natur haben und man sollte auch auf Wandern stehen. Überraschenderweise hat es mir wirklich gefallen. Noch dazu die Herausforderungen an die eigene Kondition und (teilweise) an Ängste. Jeder der überlegt diese Tour zu machen sei gesagt: Ihr braucht gute Schuhe, genügend Insektenschutzmittel, Sonnencreme und defninitiv nicht zu viele Klamotten. Aber es lohnt sich. Ich hoffe die Fotos können euch annähernd etwas von der Atmosphäre vermitteln.


Hinterlasse einen Kommentar

On the road again – Introduction

Wie einige schon mitbekommen haben, war ich die letzten zwei (eigentlich drei) Wochen auf Reisen. Zuerst ging es zum MidstayCamp..ein Treffen aller deutschen Freiwilligen mit denen ich hergekommen bin zu unserer Halbzeit, also nach etwa 5-6 Monaten. Halbzeit…die Zeit rennt nur so!

Danach ging es nur für einen Tag zurück nach Bogotá, bevor ich mit der wunderbaren Anisja und der wunderbaren Patricia (beides deutsche Freiwillige aus Bogotá) zusammen an die Karibikküste geflogen bin. Unsere Route: Bogotà – Barranquilla – Santa Marta – Ciudas Perdida/La Guajira – Taganga – Tayrona – Cartagena – Islas de Rosario (Playa Blanca) – Barranquilla – Bogotá.

Den Reisebericht werde ich nutzen um zwei Forderungen eurerseits nachzukommen:
– „Du schreibst zu wenig!“ – Das werde ich hiermit und den folgenden Beiträgen ändern. Denn da ich ausführlich von den atemberaubenden Plätzen an der kolumbianischen Karibikküste berichten möchte, werde ich nicht nur einen Beitrag zur Reise schreiben, sondern mehrere zu den verschiedenen Stationen. Ich dachte da an einen Beitrag zum ersten Teil der Reise, also zur Ciudad Perdida, einen zweiten zu Taganga/Tayrona und einen dritten zu Cartagena/Islas de Rosario.

– „Wir wollen mehr Fotos sehen!“ – Auch davon werdet ihr reichlich zu sehen bekommen! Ich übernehme aber keine Verantwortung für eventuelles Fernweh.
Also los geht’s.


4 Kommentare

Hauptsache gesund!

Aus gegebenen Anlass werde ich jetzt mal etwas zum kolumbianischen Gesundheitssystem und unserer Auslandskrankenversicherung schreiben.

Über Weltwärts, bzw AFS sind wir ziemlich gut durch „Dr.Walter“ auslandskrankenversichert worden. Die Versicherung deckt so ziemlich alles ab und soll wirklich hervorragend sein. Allerdings ist das Ganze nicht immer so einfach, denn (und das ist ein Haken) wir müssen die Rechnungen vor Ort erstmal bezahlen, anschließend die Originalrechnungen bei Dr.Walter einreichen und bekommen dann nachträglich unser Geld zurück. Sollte jedoch etwas gravierenderes passieren wie ein Unfall oder auch eine Krankheit die weitere, längere Behandlungen notwendig erscheinen lässt, dann tritt Dr.Walter auch direkt in Aktion und wir müssen nicht in Vorkasse treten. Das jedoch ist mit Anrufen und Schreiben und Bürokratie verbunden und hat hier schon den ein oder anderen Freiwilligen verzweifeln lassen.

Und auch das kolumbianische Gesundheitssystem kann einen manchmal verzweifeln lassen. Wobei ich im Monat April einige Erfahrung gesammelt habe und sagen kann, dass diese bis jetzt zu 2/3 gut waren. Wie schon gesagt gibt es eigentlich keine Arztpraxen, sondern vor allen Krankenhäuser und kleine Kliniken.
In der ersten Aprilwoche war ich (wie schon im Artikel zu Ibagué berichtet) mit einer Bakterieninfektion im Krankenhaus. Auch wenn das Krankenhaus nicht sehr hübsch war, waren die Ärzte dort schnell, kompetent, die Behandlung ging sehr schnell, die Labortests auch und es war sogar relativ günstig. Für eine Untersuchung, eine Injektion, ein Labortest und ein anschließenes Gespräch mit Verschreibung von Medikamenten habe ich gerade einmal 46.000 Pesos (und nochmal 26.000 für die Medikamente) bezahlt. Das sind zusammen so um die 30 Euro. Die Medikamente haben auch schnell angeschlagen und ich bin da ziemlich zufrieden raus gegangen.

Allerdings habe ich auch seit der ersten Aprilwoche einen bösen Husten, der nicht gehen will. Mit dem war ich dann am vergangenen Samstag (zusammen mit meiner Gastmutter) in einer Klinik hier in Bogotá. Davon gibt es grundsätzlich erstmal viele und man kann selbst entscheiden, ob man jetzt zu der teureren, besseren Klinik möchte, oder lieber die günstigere in Kauf nimmt. Da ich im Monat April auch noch meinen Spanischkurs vorbezahlen musste (auch nochmal um die 300 außerplanmäßige Euro) habe ich darauf verzichtet zur teuersten Klinik zu fahren und habe eine „halbgute“ Klinik genommen.
Wir sind also hin und wieder ging es recht schnell und kompetent zu, bis ich dann zum Allgemeinmediziner weitergeschickt wurde. Der hat mich zwar gut abgehört und auch abgeklopft ob meine Bronchien oer Lungen schmerzen, hat einen lapidaren Blick in meinen Hals und die Ohren geworfen und gesagt ich hätte eine Allergie. Gegen irgendwas. Also erstmal ein Anti-Husten-Mittel und Anti-Allergika verschrieben bekommen und wieder bin ich 100.000 Pesos für die Behandlung (und 100.000 Pesos für die Medikamente) losgeworden. Also etwa 90 Euro.

Aber damit nicht genug, denn das wäre ja langweilig. Seit der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich böse, böse Ohrenschmerzen und seit Montag morgen höre ich auf dem linken Ohr sehr schlecht und habe einen permanenten Pfeifton, begleitet von Schmerzen. Nach einem Notfallanruf bei der Expertin zu Hause (Danke Mama!) habe ich beschlossen erst nochmal zwei Tage zu warten und zu hoffen dass es besser wird. Wurde es aber nicht und das heißt: Heute wieder zum Arzt. Jedoch wollte ich direkt zu einem HNO-Arzt und nicht erst wieder ins Krankenhaus damit ich dann dafür bezahlen kann, dass der mich weiter schickt. Also habe ich versucht die Liste des Auswärtigen Amtes zu nutzen und wollte einen deutschsprachigen Arzt finden. Nach vier Versuchen war aber irgendwie klar, dass von denen keiner Deutsch spricht. Also doch einen kolumbianischen HNO-Arzt gesucht und noch am gleichen Tag mit meiner Gastschwester hin. Nach sehr kurzer Wartezeit wurde ich dann gleich besonders kompetent ausgefragt, untersucht und habe wieder Medikamente verschrieben bekommen. Diagnose: Böse Mittelohr- und Mandelentzündung. Beim Blick in meinen Hals (der Arzt hat darauf bestanden mir wortwörtlich den Spiegel vorzuhalten) wurd mir selbst ganz anders. Das Ohr hab ich zum Glück nicht gesehen. Nun darf ich also wieder Antibiotika nehmen (und eine Trinklösung) und bin erneut 200.000 Pesos ärmer (günstige 75.000 für die Konsultation des Arztes, teure 120.000 für die Medikamente), also etwa 90 Euro.

Die Kostenaufstellung hier soll euch nur eine Idee vermitteln und künftigen Weltwärtslern die nach Kolumbien gehen weiterhelfen, denn Gesundheit ist bekanntlich unbezahlbar und ich bekomme das Geld ja wieder.

Soweit der Stand der Dinge. Macht euch bitte keine Sorgen ihr lieben zu Hause Gebliebenen, ich habe kaum Schmerzen (was selbst den Arzt verwundert hat) und ich hoffe mal, dass es durch die Antibiotika schnell besser wird!
Und wehe ich bekomme jetzt zum Geburtstag nur Pakete mit Halsschmerztabletten und Bronchialsalbe 😉

Nachtrag 28.04.2012: Seit gestern zeige ich eine Unverträglichkeit gegen das Antibiotikum. Die Einzige, bei der ich die Einnahme sofort abbrechen sollte. Was ich auch getan habe. Mein Doc hat mir dann dazu geraten 24h die Medikamenteneinnahme auszusetzen. Heute hat sich noch immer keine Besserung eingestellt. Also wieder in die Klinik (72.000 Pesos für die Behandlung) und nach einer telefonischen Absprache beider Ärzte habe ich nun ein neues Antibiotikum verschrieben bekommen, sowie ein Medikament gegen die Nebenwirkung und ein Schmerzmittel. Der Spaß kostete mich 230.000 Pesos, also knapp 100 Euro nur für die Medikamente! Ich habe mich dann mal im Internet erkundigt, was ich da eigentlich einnehme und nun habe ich etwas Sorgen um die Nebeneffekte die auch bei diesem Antibiotika auftreten können und um einiges Schlimmer sind.  Aber warten wir mal ab, in einigen Stunden weiß ich dann mehr und im Idealfall stellt sich schnell eine Besserung ein.

An dieser Stelle:
Muchas gracias a mi maravillosa familia de colombia, que siempre me acompañó y que estan muy preocupado para mi! Estoy muy feliz que tengo una familia muy amable…