Allie's Welt

Es lebt sich besser zwischen den Zeilen.


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Stein auf Stein

Wenn ich euch bis jetzt von meinem Leben und meinen Eindrücken in Kolumbien (bzw. Bogotá) berichtet habe, dann waren diese Berichte vor allem durch mein Leben im Norden der Stadt geprägt. Bogotá teilt sich in der Hinsich sehr krass auf: Im Norden der Stadt lebt die reiche Elite des Landes in schönen Wohnblocks mit Sportraum, Pool, in schönen Apartments und Gegenden mit netten Geschäften. Es gibt aber auch eine andere Seite der Stadt, bzw. des Landes.

Im Zuge des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien wurden mehr als vier Millionen Menschen dazu gezwungen ihr Hab und Gut hinter sich zu lassen und innerhalb Kolumbiens zu fliehen. Viele wenden sich in Richtung der größen Städte wie Bogotá, Medellin, Cartagena oder Cali und hoffen dort auf ein besseres Leben. Aber ohne finanzielle Grundlage oder Familie haben sie nur wenig Chancen. Viele von ihnen landen daher in den illegalen Vierteln die sich häufig in den südlichen Teilen der Stadt befinden. Dort gibt es teilweise weder Abwasser, noch Strom, noch fließend Wasser oder befestigte Straßen. Hier werden oftmals nur provisorische Wellblechhütten oder Verschläge aus Holz zusammengezimmert. Keine Situation, in der jemand dauerhaft leben kann oder sollte. Aber oftmals müssen sie.

Hier in Bogotá und generell in Lateinamerika gibt es verschiedene Organisationen, die Häuser im Schnellverfahren an einem Tag bauen. Einige Organisationen verschenken diese Häuser an die Ärmsten der Armen in den großen Städten, so zum Beispiel „Un Techo para mi país“. Die Fundación Catalina Muñoz hier in Bogotá, wo einige Freiwillige des Weltwärtsprogramms arbeiten, nimmt einen „kleinen“ Betrag. Klein heißt etwa eine Million Pesos pro Haus, das sind knapp 500 Euro – für uns wenig, für die Familien oftmals ein riesen Betrag. Ein Haus hat etwa 18 qm² und auch wenn das häufig kleiner ist als ein Wohnzimmer in Deutschland…bedeutet es für die Familien die ausgesucht werden eines dieser Häuse zu erhalten so viel. Diese Fundaciónen arbeiten mit Freiwilligen, oftmals Studenten, die ihr Wochenende gerne damit verbringen, diese Häuser zu bauen. Techo baut Häuser aus Holz währenddessen Catalina Muñoz aus einem Schnellbausystem aus Metallgerüst und Betonplatten arbeitet. So oder so, diese Häuser können innerhalb von ca. sechs Stunden aufgebaut werden.

Vor knapp zwei Wochen war ich das erste Mal mit der Fundación Catalina Muñoz unterwegs. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Man sieht Viertel, in die man ansonsten nicht alleine gehen kann, da es zu gefährlich ist. Die Stiftungen sind dort jedoch sehr bekannt und gilt man als ein Mitglied dieser Gruppe, kann man sich gefahrlos bewegen. Dennoch ist meistens bewaffneter Polizeischutz dabei.
Diese Funaciónen bauen jedoch nicht nur Häuser, sondern unterstützen die Familien auch in anderen Arten. Durch rechtliche Beratung, Bildungsprogramme, ökologische Projekte oder Kursen die helfen, den Familien einen Lebensunterhalt zu sichern.

Mit dem Erhalt eines Hauses verpflichten sich die Familien, für sanitäre Einrichtungen zu sorgen, Elektrizität, etc.

Nun genug der Einleitung…hier einige festgehaltende Eindrücke der Konstruktion:

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On the road again – Part 3: Cartagena und die Islas de Rosario

Am letzten Tag im Tayrona Nationalpark machten wir uns nach einem entspannten Start in den Tag auf dem Weg zum Ausgang. Mit deutlich weniger Gewicht in den Rucksäcken (das Essen hatten wir ja verspeist), sind wir wieder zu Fuß eine Stunde zum Ausgang gewandert.

Auf dem Weg trafen wir zwei Spanier, die ebenfalls den Park verlassen und nach Cartagena wollten. Mit viel Wehmut am Ausgang, angekommen, denn der Nationalpark war wirklich eines der Highlights dieser Reise, trennten sich aber auch schon wieder unsere Wege. Die Jungs wollten den üblichen Weg nehmen (mit dem Bus bis zum Markt in Santa Marta, mit dem Taxi bis zum Terminal und von dort aus mit dem Bus weiter), wir wollten versuchen direkt an der Straße am Park einen Bus anzuhalten der bis nach Cartagena fährt. Und siehe da, 10 Minuten nachdem die Herren schon unterwegs waren, hielt ein Bus der uns mitnehmen und tatsächlich auch bis Cartagena fahren würde! Kurz vorm einsteigen fragte ich noch „Aber es gibt eine Klimaanlage?“…denn diese drehen Kolumbianer gerne so krass auf, dass man mit Fließpulli gut beraten ist. „Jaja, natürlich“.

Natürlich gab es eine Klimaanlage…leider hat die aber nicht funktioniert. Leider hatten wir auch keine Sitze, weswegen kurzerhand aus Eimern und Sitzpolstern Sitze im Gang des Busses improvisiert wurden. Die anderen Sitze sahen aber auch nicht viel besser aus, viele wurden mit Seilen aneinander festgebunden, damit die Lehne nicht nach hinten wegklappt. Dann wollte dieser nette Kerl vom Anfang auch nochmal eben 35.000 Pesos von jedem von uns haben..blanke Abzocke. Aber nicht mit uns…für 22.000 Pesos sind wir nachher pro Person gefahren und sollten damit gute 15.000 Pesos günstiger fahren, als unsere spanischen Kollegen, die wir in Cartagena wieder treffen würden.

Jedoch hatten wir bis dahin noch einiges auszuhalten…unerträgliche Hitze, eine Polizeikontrolle, bei der drei Säche Reis aus dem Bus getragen wurden (Reis?) und ein Zwischenstopp in Barranquilla, bei dem wir zum Glück den Bus wechseln würden. Bevor wir jedoch den Bus gewechselt haben, hielt dieser noch etwa 20 Minuten in Barranquilla an und dann erfuhren wir auch, warum die Kilmaanlage nicht funktionieren konnte: Der Bus schmuggelte in seinem Dach mehrere riesige Säcke Reis! Zumindest hoffe ich, dass es nur Reis gewesen ist…aber nach zwanzig Minuten, in denen die Reissäcke aus dem Bus herausgetragen wurden, war ich auch mit meiner Geduld am Ende. Beim nächsten „tranquila“ (keine Sorge) auf unsere Fragen, wann und ob wir denn noch den Bus wechseln würden, ob der andere denn auch eine Klimaanlage hätte, etc, wäre ich dem Kerl sicher ins Gesicht gesprungen!
Schlussendlich wechselten wir den Bus und kamen zur gleichen Zeit wie unsere Spanier in Cartagena an. Dort nahmen wir zusammen einen Bus Richtung altes Stadtzentrum…Unesco-Weltkulturerbe und einfach wunderschön anzusehen!

Nach einer kleinen Wanderung durch die Altstadt, auf der Suche nach einem netten, günstigem Hostel, kamen wir schließlich im „La Casona“ an, einem tollen Hostel mit Klimaanlage und Dachterrasse! Für 20.000 Pesos pro Nacht bekamen wir sogar noch ein fruchtiges, kleines Frühstück UND es gab sogar schwarzen Tee..richtigen, schwarzen Tee…eine Seltenheit in Kolumbien.

Am Abend hatten wir dann noch unsere Tour zu den Islas de Rosario, genauer zum Playa Blanca auf der Isla de Baru gebucht. Wir wollten uns Zeit lassen und mit dem großen Boot gemütlich hintuckern. Das würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, jedoch wäre es günstiger und da wir eh geplant hatten eine Nacht dort am Strand zu verbringen, würde die Mehrzeit nicht ins Gewicht fallen. Anschließend sind wir noch bei Nacht durch die Altstadt Cartagenas gewandert und haben den Tag bei einem kühlen Bier auf der Dachterasse ausklingen lassen.

Den nächsten Tag hieß es dann früh aufstehen, Rucksäcke umpacken, Frühstücken und los…und…wir haben das Boot natürlich verpasst!  Bis dahin ist alles dermaßen glatt gelaufen auf dieser Reise, dass natürlich irgendwann mal etwas nicht klappen musste. Dieser Tag war heute. Wir sahen das Boot schon ablegen, dabei waren wir ganz kolumbianisch nur zehn Minuten zu spät. Nach einigem hin und her konnten wir jedoch unsere Tickets auch für den morgigen Tag verwenden und zogen unseren Tag in Cartagena einfach vor. Wir sind durch die Stadt gewandert, haben Souvenirs gekauft (für uns selbst und natürlich auch für die Gastfamilien), sogar einige Mochilas zu annehmbaren Preisen gefunden, waren Eis essen, haben die Hitze und den Regen genossen und zum Ende des Tages gekocht und wieder auf der Dachterasse den Abend beschlossen.

Am nächsten Tag ging es nun aber wirklich auf die Islas de Baru. Ganz deutsch und überpünktlich waren wir am Pier und haben es uns auf dem Boot gemütlich gemacht. Unerklärlicherweise konnte das Boot auf Kolumbianer diesmal durchaus 15 Minuten warten, aber nun gut. Die Fahrt gestaltete sich zudem als eine schaukelige Angelegenheit und ich verstehe bis heute nicht, warum der Kaptain immer parallel zu den Wellen gefahren ist. Mit leichter Übelkeit kamen wir nach etwa drei Stunden an der ersten Insel an. Dort gibt es ein Aquarium mit Delphinshow, die wir uns jedoch nicht ansehen wollten um die Tierhaltung und solche Shows nicht noch zu unterstützen. Anschließend ging es jedoch direkt zur Isla de Baru…und damit zu einem der schönsten Strände an der Karibikküste Kolumbiens (schreibe ich das eigentlich über jeden Strand?).

Kristallklares Wasser, ruhige See, Korallen, Fische, Muscheln, Palmen – schlichtweg wunderschön. Wir suchten uns gleich zum Anfang eine Möglichkeit zu übernachten (wieder mal günstige 8.000 Pesos für eine Hängematte). Erneut mussten wir auf elektrisches Licht verzichten…neu war jedoch, dass es auch keine richtige Dusche, geschweige denn eine Klospühlung gab…aber hey, wir waren auf einer der schönsten Inseln, da kann man auch einmal eine Nacht mit dem Eimer Wasser schöpfen und auf die Art duschen und spühlen 😉

Der Sonnenuntergang mit Cocktail (ja…schon wieder!) und Musik einer umherziehenden Band aus verschiedenen Nationen, direkt am Strand war einfach unbezahlbar. Vor allem da die meisten Kolumbianer die den Playa Blanca besuchen Tagesausflügler sind. Das heißt, dass lediglich einige Backpacker über Nacht bleiben und es ab 17 Uhr herrlich ruhig wird. Erst dann entdeckt man die wirkliche Schönheit dieses Ortes, abseits von Händlern die einem immer etwas verkaufen oder Damen die einen gerne massieren wollen.

Auch der nächste Morgen war einfach herrlich und wir genossen noch etwas die Ruhe am Strand, bevor die ersten Touristen kamen. Als wir uns dann wegen der Abfahrtzeit informieren wollen, sprang mich am Strand ein riesiger Mann an…ich brauchte zwar einige Sekunden, aber irgendwann hatte auch ich dann begriffen, dass das Sebastian, ein weiterer deutscher Freiwilliger aus Kolumbien war, der zufälligerweise am gleichen Tag die Insel besucht hat. Mit diesem haben wir uns dann abends auf ein Bier auf der Dachterrasse (wir mochten die einfach sehr!) verabredet. Vorher gab es aber noch, nach unserer Ankunft von der Isel, die ersten deutschen Bratkartoffeln in Kolumbien. Eigentlich haben wir uns bis auf wenige Ausnahmen auf dieser Reise nur vegetarisch ernährt, da eine unserer Mitreisenen Vegetarianerin ist. In Kolumbien generell erstmal keine einfache Sache, denn immer kommt die gleiche Reaktion, wenn man Kolumbianern sagt, dass man kein Fleisch ist „Auch kein Hühnchen? Auch kein Schinken? Auch keinen Fisch?“. Nach sechs Monaten in denen wir Nichtvegetarianer jedoch jeden Tag Fleisch zu essen bekommen haben, war es für mich durchaus eine nette Abwechslung.

Am Sonntag hieß es dann Mittags für uns: Abschied nehmen von Cartagena, der schönsten Stadt an der Karibikküste und zu Recht Unesco-Weltkulturerbe. Für uns ging es wieder nach Barranquilla, wo wir nur eine Nacht in einem familiären Hostel verbrachten und am nächsten Tag wieder zurück nach Bogotá fliegen würden.

Zu viel, viel Wehmut über das Ende unserer Reise mischte sich jedoch für mich auch ein bisschen Freude, denn ich würde Menschen wiedersehen, die ich auf dieser Reise schmerzlich vermisst habe. Außerdem finde ich das Klima in Bogotá gar nicht mehr so schlimm…im Gegenteil…es ist sehr schön, dass man nicht permanent schwitzt oder mit Sonnencreme und Anti-Insekten-Mitteln eingeschmiert ist.

Dennoch reichen zwei Wochen für die Karibikküste gerade so aus. Im Gegenteil, eine weitere Woche hätten wir durchaus gebrauchen können, um die La Guajira (ein wüstenartiges Departemento Kolumbiens an der Küstengrenze zu Venezuela, mit dem nördlichsten Punkt Südamerikas) zu erkunden. Die La Guajira steht definitiv noch auf meiner „Must-See“-Liste und ganz generell möchte ich definitiv nochmal wieder an die Karibikküste Kolumbiens.
Insgesamt haben wir knapp 1.200.000 Pesos für die 16-tägige Reise ausgegeben, das sind knapp 600 Euro. Darin beinhaltet der Flug (für günstige 200.000 Pesos) und die Tour zur Ciudad Perdida (für 600.000 Pesos). Für Reiseinteressierte der Hinweis: Unsere Mitreisende die in der La Guajira war hat für die fünftägige Reise dorthin etwa das gleiche ausgegeben, wie wir für die Fünftagestour zur Ciudad Perdida. Sicherlich lässt es sich auch günstiger reisen, wenn man auf solche Trips verzichtet und auch die Insel in Cartagena ausgelassen hätte, allerdings waren das eindeutige Highlights und jedes ihr Geld wert.

Das ist nun das Ende der dreiteiligen Serie zu unserer Karibikreise. Ich hoffe ich konnte euch etwas die Schönheit und Besonderheit Kolumbiens vermitteln. Für weitere Infos und Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung. Ansonsten folgen bald weitere, hoffentlich nicht langweiligere, Artikel rund um das Leben in Bogotá.

PS: Ich freue mich über jegliches Feedback und lerne gerne neue, stille Leser kennen…also kommentiert, schreibt eine Mail, etc. etc.


Ein Kommentar

On the road again – Part 2: Taganga und der Nationalpark Tayrona

Nachdem wir aus der Ciudad Perdida Tour zurück in Santa Marta angekommen sind, ging es gleich im Anschluss weiter nach Taganga, einem kleinen Fischerdorf bei Santa Marta. Für günstige 7.000 Pesos wurden wir von dem Taxi und mit unseren Einkäufen (denn in Taganga gibt es nur kleine Läden und da wir im Anschluss weiter nach Tayrona wollten, mussten wir vorsorgen) direkt vor unserem Hostel „Casa de Maria“ abgesetzt.
Am Abend musste erstmal dringend so einige Wäsche gewaschen werden, da wir wohl sonst nie in einen Bus gelassen worden wären…nasse Wäsche durch ein Tropengewitter wird im Rucksack eben nicht besser. Totmüde wurde das letzte Video gedreht und dann ging es auch früh ins Bett. Der nächste Tag startete mit einer kleinen Erkundungstour durch Taganga und einer kleinen Wanderung zum Playa Grande der in der nächsten Bucht liegt. Dieser hat uns leider durch zu viel Ballermann-Feeling enttäuscht, weswegen wir gleich weiter zur nächsten kleinen Bucht schwimmen und schnorcheln gegangen sind.

Da die Fünftageswanderung zur Ciudad Perdida durchaus ihre Spuren hinterlassen hatte, wurden wir auch an diesem Abend nicht alt. Am nächsten Tag ging es dann direkt morgens weiter nach Santa Marta um unsere Lebensmittel- und Wasservorräte aufzufüllen, da wir noch an diesem Tag in den Tayrona Nationalpark wollten, dessen Eingang etwa eine Stunde Busfahrt von Santa Marta entfernt liegt.
Schwer (wirklich schwer!!!) bepackt mit unseren Rucksäcken und viel Wasser und Lebensmitteln ging es dann im Bus (in dem wir eine deutsche Mitreisende von der Ciudad Perdida-Tour wiedertrafen) vom Markt in Santa Marta los zum Eingang des Parkes.

Ausländer ohne permanente Aufenthaltserlaubnis in Kolumbien müssen für den Park 35.000 Pesos Eintritt zahlen, Kolumbianer deutlich weniger…aber da das Geld angeblich – und hoffentlich – in den Erhalt des Parks investiert wird, machte uns das auch nicht viel aus. Kurz kam Panik auf, als unsere Bekannte meinte dass gerne mal die Rucksäcke nach Alkohol und Drogen durchsucht werden. Nein…denkt jetzt nichts falsches von uns…wir wollten uns nur den Traum eines Cocktails am Karibikstrand erfüllen und hatten daher eine Flasche Rum tief in meinem Rucksack versteckt. Zum Glück war die Polizei am Eingang uns jedoch freundlich gesinnt und wir durften ohne weitere Probleme den Eingang passieren und unsere schweren Rucksäcke auf den kleinen Collectivo (Bus) bugsieren, der uns für günstige 2.000 Pesos (weniger als ein Euro) etwa zehn Minuten Fahrtweg in den Park bringen sollte. Ab dem Punkt wo der Bus hält fahren keine Fahrzeuge mehr…man läuft…oder reitet auf einem Mula. Zwar hätten wir unser Gepäck von diesem für 16.000 Pesos bis nach Arrecifes bringen lassen können, aber wie schon bei der Ciudad Perdida Tour hielt uns unser Ehrgeiz davon ab. Zumindest zwei von uns und Anisja würde sich auf dem Weg bis zur Finca Don Pedro, wo wir übernachten würden, noch oft darüber beschweren, dass wir die acht Euro nicht einfach investiert haben.

Nach etwa 1,5 Stunden (die Rucksäcke waren wirklich, wirklich schwer…) erreichten wir dann völlig geschafft und müde unsere Herberge. Die Finca Don Pedro, relativ in der Mitte der Nordküste des Parkes. Zwar etwas abseits gelegen und man muss einen etwa 20 minütigen Fußmarsch bis zum nächsten Badestrand zurücklegen, aber dafür auch ruhig, friedlich, weitläufig und einfach wunderschön.
Mitten zwischen Kokusnusspalmen, bei denen man immer aufpassen musste, dass einem keine frische Kokusnuss auf den Kopf fällt und diesen dadurch wahrscheinlich eher spalten würde als die Kokusnuss sich selbst, war unser kleine Hütte mit den Hängematten die für günstige 8.000 Pesos die Nacht unser Schlafplatz für die kommenden drei Nächste werden würde.

Schnell eine Hängematte reserviert und die Rucksäcke verstaut, den Bikini an und schon waren wir auf dem Weg zum Strand, den wir noch rechtzeitig vorm Sonnenuntergang besuchen wollten. Im Park muss man besonders aufpassen…denn wenn die Sonne hier um sechs Uhr untergeht ist es um 6:30 p.m. bereits stockdunkel. Nach einigen Stunden am Strand fanden wir wirklich eine Ecke in der wir ins Wasser gehen konnten. Direkt bei Arrecifes sind die Strömungen nämlich zu stark und viele Hinweisschilder verweisen darauf, dass man sich doch bitte nicht den über einhundert bereits hier Ertrunkenen anschließen solle.

Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang im Rücken gingen wir dann wieder zurück ins Hostel und machten uns daran, uns ein Abendessen über einer Feuerstelle zu zaubern. Ich glaube es war Reis mit Tomaten und Karotten. Oder Nudeln mit Tomaten und Karotten. So oder so stand am Ende dieser Tage im Tayronapark fest: In Cartagena würde es keine Karotten mehr geben!

Am zweiten Tag im Park wollten Anisja und ich ihn schon wieder verlassen. Wir hatten von einem netten Fischerdorf etwas weiter östlich namens „Palomino“ gehört, welches wir uns gerne ansehen würden, nicht ohne die Hoffnung dort vielleicht auch schöne Mochilas kaufen zu können. Patricia wollte sich in der Zeit das Pueblito, ein Indianerdorf im Tayronapark ansehen, wofür sie gute drei Stunden Wanderung auf sich nehmen müsste. Da wir solche Dörfer auf dem Weg zur Ciudad Perdida des öfteren gesehen hatten, teilte sich für diesen Tag unsere Gruppe auf. Und wir würden die Gelegenheit bekommen unsere Wasservorräte aufzufüllen.
Ein Problem gab es jedoch: Wir waren uns nicht sicher, ob wir den Park einfach so würden verlassen können. Nach der Wanderung zurück zum Eingang sind wir mit dem Collectivo zurück gefahren und hatten die Schranke schneller passiert, als wir Bescheid sagen konnten, dass wir heute gerne noch wieder zurück in den Park wollten. Also wieder zurück zum Kassenhäuschen und gefragt…zum Glück hatte ich unseren Kassenzettel dabei, den brauchten wir nämlich. Es ist zwar möglich den Park zu verlassen, jedoch nur für den Tag, die Nacht muss man wieder im Park verbringen, welcher um 5 p.m. die Tore schließt. Das passte uns jedoch gut in den Zeitplan und daher sind wir mit einem Bus für 5.000 Pesos nach Palomino gefahren.

Auch hier war der Weg mit dem Bus an der Küste wirklich wunderschön und auch wenn man denken würde, dass die Einheimischen an der Küste Touristen deutlich eher gewohnt sind als in Bogotá…waren wir anscheinend dennoch unheimlich interessant.
In Palomino angekommen die erste Ernüchterung: Von malerischem Fischerdorf keine Spur. Eher war der Ort eine Ansammlung von kleinen Häusern und Hütten direkt an der Hauptstraße…auch von Mochilas kein Zeichen.
Nun, zum Glück hatten wir uns doch noch entschieden die halbe Stunde zum Strand zu laufen, denn dieser war einfach atembraubend! Kokusnusspalmen direkt am Strand, umgedrehte kleine Fischerbote, Einsamkeit pur und weißer Sand machten den Karibikstrand perfekt. Palomino gehörte definitiv zu einem meiner Lieblingsstrände an der Küste…es war einfach wunderschön.

Nach einigen Stunden am Strand haben wir dann auch bald nach einigen Einkäufen den Rückweg angetreten. Hier hat sich eine der für mich nettesten Begegnungen ergeben…ein riesiger Reisebus hat uns aufgegabelt und wollte uns bis zum Eingang des Tayronaparks mitnehmen. Der Busfahrer schickte erstmal kurzerhand seinen Kumpanen nach hinten, so dass Anisja und ich vorne im Bus mitfahren und uns mit dem Busfahrer unterhalten konnten. Eine Stunde voller netter Gespräche, verschiedener Ansichten, Musik, Tanz und der Einladung doch um ein Uhr heute Nacht mit nach Rihoacha zu kommen, waren wir dann wieder am Eingang angekommen. Geld wollte der nette Busfahrer am Ende auch keines haben. Und auf uns warteten…natürlich…wieder der Collectivo…und…die Stunde Fußweg. Zum Schluss jedoch gab es nach dem Abendessen noch den heiß ersehnten Cocktail am Karibikstrand. Unterm Sternenhimmel mit tierischer Begleitung (Krokodil!).

Am nächsten Tag wollten wir endlich mal den Karibikstrand pur genießen und den Tag zusammen damit verbringen, alle Buchten bis hoch zum Cabo San Juan abzulaufen. Das Cabo ist der westlichste Ort im Park und hier befinden sich definitiv die meisten Besucher. Doch schon das Frühstück begann außergewöhnlich: Nachdem eine Kokusnuss mich fast erschlagen hatte (ich übertreibe nur geringfügig), wollte ich gerne Rache für die Attacke üben. Also sammelten wir noch eine zweite Nuss ein und fragten Don Pedro (den älteren Herrn, den die Finca gehört), ob er uns beim öffnen behilflich sein könnte. Er konnte. Mit einem Werkzeug dass wie eine riesige Heckenschere aussah hat er erst die grüne Hülle der Kokusnuss geöffnet und anschließend mit seiner Machete die Nuss für uns so gekonnt geöffnet, dass wir zum Frühstück sowohl die Milch, als auch das Kokusnussfleisch genießen konnten. Nunja…wenigstens zwei von uns…Anisja mag keine Kokusnuss, wie sich schnell herausstellte. Noch dazu gab es das wohl leckerste, frisch gebackenste Schokobrot, dass ich je gegessen habe. Direkt neben unserer Hängemattenhütte gebacken konnten wir es uns nicht verkneifen, uns jeden Tag eines dieser leckeren Brote zu gönnen.

Danach ging es dann wieder zum Strand „Las Piscinas“, dem nächstgelegenen Badestrand von Arrecifes aus. Dort verbrachten wir einige entspannte Stunden unter einer Palme, Kokusnuss essend, badend, schnorchelnd…sonnenverbrannt. Anschließend sind wir noch hoch zum Cabo gewandert, fanden jedoch, dass wir richtig entschieden hatten, den Großteil des Tages am Las Piscinas zu verbringen. Mit dem Sonnenuntergang im Rücken ging es dann zurück in die Finca.

Am kommenden Tag ging es dann nach einem langsamen Start auch wieder inklusive Gepäck auf dem Weg zum Eingang. Unser nächstes Ziel: Cartagena!


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On the road again – Part 1: La Ciudad Perdida

Vorab: Entschuldigt die Länge des Eintrages. Mir wurde schon gesagt, dass ich dazu neige zu lange Artikel zu schreiben. Aber diese Erfahrung will ich definitiv mit euch teilen. Hier wird ja aber auch keiner gezwungen weiterzulesen, wenn er gelangweilt ist.

Am 1. Juli ging es direkt morgens früh los mit dem Flieger von Bogotá nach Barranquilla. Wofür man mit dem Bus kanpp 24 Stunden (dank der Anden und den Straßen) braucht, legt man fliegend in knapp 50 Minuten zurück. In diesen 50 Minuten ändern sich aber die Höhenverhältnisse von 2600 Meter auf Küstenhöhe. Das heißt vor allem dass sich die Temperaturen verändern. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen traf uns der Schlag…über 30 Grad und Sonne statt bewölkte 15 Grad und Regen in Bogotá.

Vom Barranquilla Flughafen ging es mit dem Taxi zum Terminal, von dem aus die Busse in alle Richtungen des Landes fahren. Da Barranquilla nicht wirklich die schönste Stadt an der Küste ist und wir schon öfter gehört haben, dass es dort nicht viel zu sehen gibt, sind wir direkt weiter mit dem Bus für günstige 10.000 Pesos (etwa 5 Euro) nach Santa Marta gefahren. Zum Glück hatte ich schon gehört, dass die Busse gerne arg klimatisier sind…der Fließpulli hat mir doch sehr geholfen.
In Santa Marta angekommen haben wir erstmal unser Hostel gesucht (La Brisa Loca) und sind danach gleich wieder los um unseren Trip zur Ciudad Perdida zu organisieren. Dort kommt man nämlich nur auf Einladung der dort lebenden Indigenen oder über spezielle Unternehmen hin, die en Trip organisieren. Dazu aber später mehr. Nach einigem hin und her hatten wir uns entschlossen die Tour mit Magictours zu machen. Am nächsten Tag sollte es los gehen. Wichtig war vor allem: Leichtes Gepäck. Mit meinem großen Trekkingrucksack (65 Liter) wäre das doch sehr anstrengend geworden. Also mussten wir erstmal unsere Sachen umpacken und haben uns auf den kleinen Rucksack von Anisja beschränkt. Patricia, unsere andere Mitreisende würde die Tour nicht mitmachen und in der Zeit mit anderen Freunden die La Guajira besuchen und die Küste in Richtung Venezuela abfahren.

Eine kurze Erklärung, was die Ciudad Perdida eigentlich ist. Übersetzt heißt es „die verlorene Stadt“ (der indigene Name ist Teyuna) und sie ist die zweitgrößte wiederentdeckte präkolumbische Stadt neben Machu Picchu. Sie umfasst etwa 200 Steinterrassen, welche zwischen 700-1300 vom indigenen Volk der Tairona erbaut wurde. Als die Spanier Kolumbien eroberten und bevölkerten, musste sich dieses indigene Volk aufgrund der sich seuchenartig ausbreitenden Krankheiten immer weiter in die Berge zurückziehen. Die Stadt liegt auf etwa 900-1.200 Metern Höhe mitten im Nationalpark „Sierra Nevada“. Zwar gibt es einen Hubschrauberlandeplatz (da das Militär dieses Gebiet von den FARC-Guerillas sichern muss), jedoch kann die Stadt eigentlich nur über eine dreitägige Wanderung durch die Sierra Nevada erreicht werden. Der Rückweg beträgt dann zwei Tage, was die Tour insgesamt auf fünf Tage streckt.

Wie schon erwähnt kann man nur auf persönliche Einladung der dort lebenden Indigenen den Weg zur Ciudad Perdida begehen, oder man bucht eine Tour über verschiedene Anbieter, die dies, sowie die Unterkunft, Verpflegung, etc. organisieren. Dies kostet bei jedem Anbieter das gleiche, 600.000 Pesos (etwa 280 Euro). Unsere Truppe bestand insgesamt aus etwa 16 Personen, darunter waren so ziemlich alle Nationen vertreten…von Amerikanern über Briten, einem Holländer, einem Neuseeländer, eine Französin, eine Venezolanerin, eine Kolumbianerin, insgesamt drei Deutschen und und und.

Tag 1:

Wir trafen uns also am Montag um 8 Uhr und sind in zwei Jeeps von Santa Marta aus an der Küste entlang zum „Eingang“ der Stadt gefahren. Der Eingang bestand aus einem abenteuerlichen Pfad in die Berge, die der Jeep dermaßen rumpelnd zurücklegte, dass ich erstmal seekrank wurde. Nach etwa einer Stunde mit leichter Übelkeit kamen wir endlich an unserem Ziel an, einer Hütte an der es Mittagessen geben sollte. Noch kurz mit Sonnencreme eingeschmiert und nach der Stärkung ging es zu Fuß los…die Tour begann.

Und gleich mussten wir einen Fluss überqueren, den ersten von vielen, und bei jedem habe ich meine Trekkingsandalen gefeier und nur gehofft dass ich nicht den Abgang ins Wasser mache und meine liebe Spiegelreflex dem Tode weihe. Danach ging es eigentlich nur bergauf. Der erste Tag und der letzte Tag seien die schwersten, so unsere beiden Guides, die uns heil zur Stadt begleiten sollten. Jeden Tag würden wir um die fünf Stunden wandern. Und jeden Tag würden wir im Fluss in natürlichen „Pools“ baden können. Den ersten hatten wir auch schnell erreicht, nach etwa 20 Minuten Wanderung. Nach einer erfrischenden Abkühlung ging es dann erst richtig los…ein 600 Meter Anstieg wartete…für mich als Flachlandgeschöpf das nur den Deich kennt bei 30 Grad und knallender Sonne doch eine Erfahrung. Zudem war mein ganzer Organismus durch die arg starken Antibiotika der vorherigen Woche noch sehr geschwächt…was mich auf dem Gipfel des Berges erstmal fast umgehauen hätte. Aber durch reichlich Wasser und eine kleine Pause ging es dann doch.
Zum Glück hatten wir unsere Sachen in einem Rucksack organisiert, so konnten wir uns abwechseln. Aber eben so schnell hat sich herausgestellt, dass man doch viele unnötige Dinge mitgeschleppt hat. Warum ich auf die Idee kam mitten im Dschungel Handyempfang zu haben und beide Handys sowie das Ladekabel mitschleppte ist mir heute noch unklar. Ebenso warum ich davon ausging, dass es Möglichkeiten geben würde die Kameraakkus aufzuladen. Auch so einige Klamotten hätte man sich schenken können, denn in den kommenden Tagen würden wir doch irgendwie immer wieder auf die gleichen Hosen und T-Shirts zurückgreifen.

Gegen 13 Uhr kamen wir dann also erschöpft aber glücklich im ersten Camp an. Diese Nacht sollten wir in Hängematten schlafen. Das erste Ziel: Die Duschen! Und tatsächlich, eiskalt, aber erfrischend konnten wir uns den Schweiß abwaschen…nur um danach wieder zu schwitzen. Mein größten Respekt für die Guides und die weitere Staff…die sich gleich daran machten ein Mittagessen zu zaubern. Der Nachmittag verging zu schnell und nach dem Abendessen ging es völlig erschöpft um 10 Uhr ins Bett.

Am ersten Tag haben wir auch damit angefangen ein Videotagebuch zu führen. Jeden Abend, egal wie müde, haben wir uns aufgerafft und einen kurzen Abriss des Tages von uns gegeben. Wenn die Videos geschnitten und bearbeitet sind, werden die den Artikel noch ergänzen.

Das Highlight dieses Tages: Der Skorpion in der Dusche, Reisetagebucheinträge bei Kerzenlicht, die erste Nacht in der Hägematte.

Tag2:

Der Tag Zwei begann vor allem früh. Gegen 5:30 Uhr gab es Frühstück: Eier. Ich hatte seit etwa einem Monaten darauf verzichtet Eier zu frühstücken. Hierzu den kurzen Exkurs, dass ich in Deutschland vielleicht 10 Eier im Jahr frühstücke. Ich mag sie auch nicht so besonders. Hier in Kolumbien gibt es jeden Tag zwei Eier zum Frühstück. Nach etwa vier Monaten mit Eiern konnte ich sie einfach nicht mehr sehen und habe beschlossen keine Eier mehr zu frühstücken. Also gab es für mich Toast und Früchte.
Danach hieß es schnell Sachen packen und um 6:30 Uhr haben wir das Camp verlassen. Nach einem entspannten Anfang wartete ein sehr steiler 30minütiger Anstieg auf uns, den wir auch mit vielen Pausen voller Elan meisterten. Oben angekommen gab es Orangen zur Stärkung, bevor wir entspannt eine ganze Weile bergab gehen konnten. Schon hier konnte man sehen wie sich das Klima und die Vegetation veränderte. Wer sich während der Tour nicht die Zeit nimmt die unglaubliche Natur zu bewundern, sollte diesen Trip nicht machen. Denn uns war schon von Anfang an klar: Der Weg ist das Ziel!

Am Zwischenstopp angekommen gab es Wassermelone (der arme Träger der diese die ganze Zeit getragen hat! Zwar hatten wir Maultiere die Lebensmittel, etc getragen haben, aber spätestens ab Camp 2 konnten diese nicht weiter mitgehen und die Zwischenverpflegungen hatten immer die Guides dabei). Und anschließend konnten wir eine kleine Schwimmpause im Fluss einlegen, welcher mit jedem Tag etwas kälter wurde. Alleine dieser war beeindruckend…zwischen Lianen die von Bäumen hingen glizerte es im Wasser immer goldend auf, was einem den Mythos von El Dorado gar nicht so unwirklich erscheinen ließ.

An diesem Tag trafen wir auch auf das erste indigene Dorf der Kogi-Indianer, die noch heute annähernd so leben wie vor hunderten von Jahren. Wenn nicht jeden Tag Touristen auf dem Weg zur verlorenen Stadt wären, wären sie ungestört. Kein Wunder, dass sie die Existenz der Stadt bis 1947 geheim halten konnten. Da wurde sie entdeckt, geplündert und anschließend zum Marihuanaanbau genutzt, bevor sie archäologisch aufgearbeitet wurde. Der früher für die Kogi heilige Platz wird von ihnen heute gemieden. Obwohl der Tourismus in keinster Weise mit z.B. Maccu Picchu zu vergleichen ist, hat mir dies doch zu denken gegeben.

Im Camp zwei angekommen würden wir diese Nacht in Betten verbringen, natürlich nicht ohne das unverzichtbare Moskitonetz. Nach netten Gesprächen, einem abendlichen, tropischen Regenschauer und gutem Essen (wie konnten die das nur mittem im Dschungel zaubern?), ging es wieder früh ins Bett.

Highlights des Tages: Die böse große Spinne die der Guide direkt in mein Gesicht hielt (!!!), das Probieren frischer Kokablätter, mein unerklärlicher Energieschub am Abend, bei dem die anderen Reisenden nur die Köpfe schüttelten.

Tag 3:

Auch heute hieß es wieder früh aufstehen. Und hier konnten wir das erste Phänomen des sich wandelnden Klimas bemerken: Sachen die abends zum trocknen aufgehängt wurden, waren nicht trocken und würden es die nächsten zwei Tage auch nicht mehr werden. Ein kurzes Frühstück – Eier!! Und anschließend ging es los…hier fühlte ich mich zum ersten Mal wirklich auf dem Weg zur verlorenen Stadt. Der Weg änderte sich vom Trampelpfad zu einem kaum erkennbaren Weg zwischen den Bäumen, 30 Metern über dem Fluss ohne jegliche Absicherung. Der Weg ab diesem Tag hätte sicherlich keine europäischen Sicherheitsstandards erfüllt. Am nettesten war noch das gelbe „Peligro“(Gefahr!)-Flatterband dass an zwei Stellen angebracht war, wo es steil nach unten ging. Von etwa 50 die wir an diesem Tag passieren sollten. Meine leichte Höhenangst wurde da schon arg auf die Probe gestellt. Und natürlich…mussten wir auch eine Hängebrücke passieren. Allerdings immernoch besser als der Korb mit dem die Touristen vorher auf das andere Ende gezogen wurden. Denn dabei ist schon jemand ums Leben gekommen. Einer von zwei Toten und einigen Verletzen, die wie wir auf dem Weg zur verlorenen Stadt waren.

Anschließend ging es, wieder mal, bergauf. Oben angekommen gab es die besten Bananen die ich je essen durfte…ich glaube die Palme von der diese gepflückt wurden habe ich sogar noch vor Ort gesehen. Danach ging es abwechslungsreich bergauf, bergab durch den Dschungel, vorbei an ausgehölten riesigen Bäumen, witzigen Insekten, unbekannten Pflanzen, einigen Soldaten und Wasserfällen hinunter zum Fluss, den wir wieder einmal passieren mussten. Danach wurde der Weg noch abenteuerlicher…bis wir im Camp drei ankamen.

Auch hier warteten Betten auf uns, außerdem wie in fast jedem Camp ganz herzzerreißende Katzen die meine Katzenfrauseite zum Vorschein brachte…dass die liebe Anisja nicht die Flucht ergriff ist mir heute noch unbegreiflich. Außerdem gab es einen wunderbaren Wasserfall direkt neben dem Camp und natürlich wieder die Möglichkeit zu baden. Zwar hatten wir eigentlich vor die Stadt heute noch zu sehen, jedoch machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn bereits um 13 Uhr fing es oben an zu regnen und Auf- sowie Abstieg bei Regen sind ziemlich gefährlich.

Highlight des Tages: Popkorn im Dschungel (!!!), einem kolumbianischen Guide Rommé beibringen, die Geschichte zur Stadt und der Indigenen, die Rolle als Teilübersetzerin, die herzzereißende kleine Katze mit einem fehlenden Bein die ich sofort adoptiert hätte wenn möglich.

Tag 4:

Heute. Endlich. Die Ciudad Perdida. Erneut ging es (viel zu) früh los. 5:30 Uhr war als Startzeit gesetzt. Nur die nötigsten Sachen würden wir mitnehmen (Sonnencreme, Anti-Mücken-Mittel, Kamera und Wasser…und für mich natürlich noch das Häkelschwein, mein treuer Begleiter in diesem Jahr). Und nach kurzem Weg und erneuter Flussüberquerung kamen wir am Anfang der Stadt an. 1.200 Steinstufen trennten uns nun noch vom Ziel der Reise. Aber genau die hatten es in sich, rutschig, ohne eine Möglichkeit sich festzuhalten, ging es nochmal 300 Meter in die Höhe.

Oben angekommen hatten wir sie endlich erreicht. Die ersten Terrassen waren noch im Wald versteckt, man musste sie fast erahnen. Aber das fazinierende Lichtspiel hat eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Und ehe man sicht versieht tritt man aus dem Wald auf die freien, großen Steinterrassen die das ehemalige Zentrum der Stadt bildete in der zu seiner Hochzeit bis zu 8.000 Indigene lebten. Vielleicht muss man ein klein bisschen Geschichtsfreak sein oder einfach einen Sinn dafür haben, aber für mich war der Anblick einfach Wahnsinn. Nicht nur die Natur, die Vögel und Tierwelt, die aufsteigende Feuchtigkeit aus den Bäumen die sich zu Wolken formierte aus denen sich die Berge rund um die Stadt erhoben oder der Wasserfall waren wunderschön, auch die Steinterrassen haben mich fasziniert. Vielleicht verfalle ich zu viel der Schwämerei, aber für mich war es definitiv einer der schönsten Orte, die ich je sehen durfte.

Nach etwa zwei Stunden ging es dann bergab. Und an einer der Terrassen konnten wir eine ziemlich große, ziemlich lange Schlange beobachten. Als unser Guide dazukam, hat er uns gleich erstmal einen Schritt zurücktreten lassen, da sie dazu noch ziemlich giftig sein sollte. Und als ich ein Foto machen wollte…passierte es natürlich…mein Häkelschwein, treuer Begleiter auf allen Reisen, fiel herunter, direkt neben die Schlange. Ich hatte ihn schon für verloren erklärt und dachte mir…immerhin hat er eine schöne Ruhestätte…hier oben. Da fragt unser Guide uns, ob wir alle Fotos haben, nimmt Steine und verscheucht die Schlange ins Gebüsch. Nur ob sie einen Meter oder 10 weg ist, das konnte keiner wissen. Trotzdem ist er ganz heldenhaft heruntergesprungen und hat das Schwein gerettet.

Nach einem kurzen Besuch am „Jungbrunnen“ machten wir uns wieder an den Abstieg, 1200 Stufen herab. Camp drei passierten wir, es gab ein kleines Mittagessen und wir machten uns auf den Weg zu Camp zwei, vielleicht sogar noch Camp eins. Auf halbem Weg find es jedoch an wie aus Kübeln zu gießen. Inklusive Blitz und Donner befanden wir uns also in einem netten kleinen Tropengewitter. Der Pfad war kaum noch zu erahnen und Bäche bildeten sich, die den ganzen Boden aufweichten. Zwischenzeitlich war es schon nicht ganz ungefährlich und der ein oder andere von uns ist ausgerutscht, jedoch zum Glück nicht abgestürzt (was ebenso leicht möglich gewesen wäre).

Im Camp zwei angekommen war klar, dass wir bei dem Wetter nicht weiter gehen konnten. Also würden wir die Nacht hier verbringen und am nächsten Tag die Strecke der ersten beiden Tage an einem zurücklegen.

Die Highlights des Tages: Natürlich die Stadt, die Rettungs des Häkelschweins, Wandern im Regen, die Freundin im Glück.

Tag 5:

Früh raus, sehr früh raus…wie die Tage zuvor. Auf uns sollten etwa 13 km Marsch warten, denn heute würden wir zurück nach Santa Marta kommen. Wieder veränderte sich die Vegetation merklich, es wurde laufend wärmer, schwüler und drückender. Und dann dachte man irgendwie, man wäre ja die ersten zwei Tage nur bergauf gegangen, deswegen würde es nun nur bergab gehen. Falsch gedacht, 1:20 h Anstieg straften diesen Gedanken Lügen. Allerdings wartete danach nur noch ein erneuter Anstieg von 20 Minuten bei brennender Sonne, bevor es 2-3 Stunden nur bergab gehen würde. Das jedoch ging ordentlich auf die Gelenke. Zum Schluss noch kurz im Fluss gebadet und dann waren wir auch schon wieder in unserer Starthütte, wo es wieder Mittagessen gab. Alle waren einfach nur müde, geschafft und völlig fertig. Unsere Gruppe hatte sich während des Weges getrennt, da einige wesentlich schneller waren und früher in Santa Marta sein wollten. Wir waren also so gegen 14 Uhr zurück in der Hütte und gegen 16 Uhr dann endlich wieder in Santa Marta.

Abschließende Gedanken: Dieser Trip war definitiv sein Geld wert und wie bereits gesagt, eine der tollsten Dinge, die ich bis jetzt machen durfte. Man muss jedoch einen Sinn für Geschichte und Natur haben und man sollte auch auf Wandern stehen. Überraschenderweise hat es mir wirklich gefallen. Noch dazu die Herausforderungen an die eigene Kondition und (teilweise) an Ängste. Jeder der überlegt diese Tour zu machen sei gesagt: Ihr braucht gute Schuhe, genügend Insektenschutzmittel, Sonnencreme und defninitiv nicht zu viele Klamotten. Aber es lohnt sich. Ich hoffe die Fotos können euch annähernd etwas von der Atmosphäre vermitteln.


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Semana Santa in Ibagué

Wieder ein Nachtrag, der dringend fällig ist. Die Osterwoche in Kolumbien wird als Semana Santa im ganzen Land gefeiert. In ganz Kolumbien haben dann Schüler, Studenten und die arbeitende Bevölkerung (oder fast alle) von Mittwoch bis Sonntag frei.

Meine Gastfamilie besteht ja bekanntermaßen aus den Eltern, meiner Gastschwester Neidy (24), Lorena (17 und gerade als Austauschschülerin in Deutschland) und meiner Gastomi Josephine (um die 70). Meine Gastoma hat in Ibagué, das ist eine Stadt um die 400.000 Einwohner etwa fünf Busstunden (140 km) westlich von Bogotá entfernt, ein Haus mit Eigentumswohnungen. Ibagué ist die Hauptstadt des Departemento Tolima und liegt wunderschön in einem Tal zwischen den Andenausläufern auf etwa 1000 Metern Höhe. Das heißt es herrschen angenehme 25 Grad. Die Stadt ist nicht sehr reich und das sieht man auch, trotzdem ist sie einfach Kolumbien pur.

Wir sind also am ersten Mittwoch in April mit dem Bus vom Terminal Norte in Bogotá nach Ibagué gestartet und später am Tag angekommen. Viel haben wir an dem Tag nichtmehr gemacht…vor allem unsere Zimmer belegt. Leider ging es mir direkt am Donnerstag plötzlich gar nicht mehr so gut. Eine typische Magen-Darm-Infektion hat mich erwischt. Wie sie hier schon einige von uns Deutschen in Kolumbien hatten, nur dass ich bis dato darum herum gekommen bin. Nun hatte es mich also auch gewischt und ich lag mit Übelkeit und Krämpfen die meiste Zeit am Donnerstag und Freitag im Bett. Nachdem auch aus Deutschland mitgebrachte Medikamente nicht angeschlagen haben, hat meine Gastschwester dann beschlossen dass es Zeit wäre, das lokale Hospital aufzusuchen.

Nun bitte keine Panik. Hier in Kolumbien gibt es keine typischen Arztpraxen wie wir sie in Deutschland kennen. Daher geht man bereits mit einer Grippe ins Krankenhaus, lässt sich da checken und Medikamente verschreiben. Genau das habe ich auch getan. Da ich in Ibague war, gings wesentlich schneller und unkomplizierter als in Bogotá, wo man gerne mal sieben Stunden nur wartet.

Nach einer Untersuchung, einem Labortest, einer Spritze mit schmerz- und krampflösenden Mitteln (in den Handrücken! Und das mir…) und einem Rezept für Antibiotika und andere Medikamente war ich zwei Stunden später wieder raus. Inklusive Medikamente hat mich die ganze Aktion nur rund 69.000 Pesos gekostet, also etwa 30 Euro, die ich später von unserer Krankenversicherung Dr.Walter erstattet bekommen werde.

Samstag ging es mir dann auch bereits deutlich besser dank Antibiotika, Elektrolytlösung und einer strengen Diät, dank der ich auch endlich mal wieder nach zwei Tagen etwas essen konnte. Leider hat mir das gleich wieder auf den Magen geschlagen und ich hab dann gleich noch eine Gastritis mitgenommen. Samstag haben wir dann aber noch genutzt um uns die Stadt anzusehen und durch die verschiedenen Gebiete zu laufen. Sonntag konnte ich dann vor unserer Abreise noch das berühmte und günstige Eis in Ibagué probieren (wirklich lecker) und dann ging es auch schon leider wieder zurück.

Ich hoffe ich kann nochmal nach Ibagué um das Programm durchzuführen, was wir eigentlich geplant hatten: Von einer Reittour zu einem Wasserfall, einem Barbecue auf einer Finka bis zu einem Ausflug in den momentan gesperrten Nationalpark und den Canyons (wegen vulkanischer Aktivität).

Natürlich gibts auch davon Fotos:


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Me gusta colombiana…

Letzte Woche fand endlich ein in Bogotá heiß ersehntes Event statt: Das Gratiskonzert von Manu Chao.

Wem Manu Chao nichts sagt…er ist ein französischer Sänger, der eine besondere Bindung zu Lateinamerika und Kolumbien hat. Mitte der 90er ist er bereits in einem umgebauten Künstlerzug durch Kolumbien gereist und hat mit seiner Band Mano Negra und anderen Künstlern auf die fehlenden Bahnverbindungen aufmerksam gemacht (hierzu gibt es ein Buch „Der Zug aus Eis und Feuer“, geschrieben von seinem Vater, der diese Reise dokumentiert…wunderbar zu lesen!). Besonders in Lateinamerika ist er unheimlich bekannt und geliebt. Mit seiner Musik im Reggae-Stil macht er durch politische Texte auf viele Missstände aufmerksam und verbreitet immer eine Botschaft in seinen Texten.

Als ich dann mitbekommen habe dass er wieder nach Kolumbien kommt…im April…nach Bogotá und dann auch noch gratis auf dem Plaza Simon Bolivar spielt…naja, keine Frage, dass wir da hin mussten. Zuerst war eine ganze Weile unklar wie wir da reinkommen, ob die Karten verlost werden oder es einfach heißt: Früh da sein und die ersten 25.000 kommen hinein. Zum Schluss war es letzteres. Trotzdem waren wir, als wir entspannt um 12 Uhr am Einlass ankamen rechtzeitig da. Um 15 Uhr sollte das Konzert beginnen und nach vier Vorbands sollte dann gegen 19 Uhr Manu Chao starten.

Zum Glück war es der einzige sonnige Tag der Woche und es wurde angenehm warm. Durch die Menschenmassen wurde es bei Zeiten jedoch auch absolut eng, gedrängt und stickig. Dazu beigetragen haben auch die Rauchschwaden die über den Plaza waberten…produziert von vielen vielen Menschen die einfach mal direkt neben der Polizei und den Ordnungskräften laufend gekifft haben. Witzig, dass ich meinen Gürtel am Eingang abgeben musste, aber anscheinend jeder Gras reinschmuggeln konnte.

Um 19:30 Uhr war es dann endlich soweit und Manu kam auf die Bühne. Die Masse der Kolumbianer kannte jedes Wort und es wurde lautstark mitgesungen…es war unheimlich interessant zu sehen, welchen Einfluss Manu Chao auf die Menschen hatte.
Leider kam es auch zu den obligatorischen gewaltsamen Auseinandersetzungen, welche durch die Polzei rasch und zum Unwillen Manus auch nicht ganz sanft beendet wurden.
Nach Ende des Konzertes und einigen Zugaben (er hat sich ordentlich feiern lassen und kam endlos oft zurück auf die Bühne), sind wir dann auch vor Ende des Konzertes aufgebrochen um vor der Masse der Menschen nach Hause zu kommen. Da ich mit dem Transmilenio gefahren bin, war das auch eine ganz gute Idee. Ein einfach wunderbarer, anstrengender, toller Tag.

Aus Sicherheitsgründen hatte ich nur die kleine Kompaktkamera mit…daher entschuldigt bitte die schlechte Fotoqualität.

Me gustas colombiana…me gustas tu!

Und hier nochmal bewegte Bilder, die allerdings nicht von mir stammen:


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San Gil

Da ich in den letzten Wochen einfach nicht dazu gekommen bin etwas zu schreiben (unglaublich wie die Zeit rast), kommt hier erstmal der Nachtrag zu meinem Wochenende vom 16.-19. März in San Gil.

Dieses Wochenende war ein Brückenwochenende, ein „puente“, d.h. dass Montag ein Feiertag war. Wir Afsler (oder zumindest einige von uns)  haben den Vorteil, dass wir den Freitag davor ebenfalls frei haben. D.h. dieses sehr lange Wochenende bietet sich hervorragend an, um zu verreisen. Was wir auch getan haben. San Gil liegt etwa 8 Busstunden nord-östlich von Bogotá im Bezirk Santander und gilt als die Extremsportpilgerstätte in Kolumbien.

Und genau das hatten wir geplant. Nach einem frühen Start am Freitag morgen waren wir nachmittags endlich in San Gil angekommen. 27 Grad, Sonne, viel grün, nette Hostelbesitzer und eine Stadt auf den Beinen haben uns dort erwartet. Da an diesem Wochenende auch der Stadtgeburtstag gefeiert wurde, waren viele Familien unterwegs und es wurde eigentlich vier Tage nur gefeiert…mit Musik, Karneval, Essen und viel Lebensfreude.

Nachdem wir acht Frühaufsteher aus Bogota, Duitama, Sogamoso und Ubaté erstmal am Freitag abend die Stadt erkundet hatten, hieß es am Samstag morgen dann direkt: Raus zum Waterrafting! Auf dem Rio Fonce mit angenehmen Einsteigergeschwindigkeiten von den Stufen 1-3 haben wir uns ein Wettrennen geliefert und sind schwimmen gewesen…es war weniger extrem, dafür aber vor allem spaßig.

Anschließend ging es zurück zum Hostel, umziehen, eine Kleinigkeit Essen und schon ging es weiter zum Paragliden. Das hingegen hatte dann schon viel mehr mit Extremsport und Adrenalin zu tun. Mit einem Kleinbus ging es eine wunderbar verwundene, holprige Straße den Berg hinauf. Oben angekommen konnten wir die ersten Starts von unseren Vorgängern betrachten, spürten den Wind und einige überdachten bereits ihre Entscheidung, ob sie wirklich fliegen wollen. Ja, ich gehörte auch dazu. Hatte aber wohlwissend vorher bezahlt, so dass es für mich eigentlich keinen Weg da raus gab. Nachdem die ersten aus unserer Gruppe geflogen sind und völlig geflashed zurück kamen, wollte ich auch ran…und…es war großartig!
Andres war mein Flugbegleiter und hat seinen Job wirklich gut gemacht. Anfangs etwas ruhiger, kamen später einige adrenalinhaltige Kurven dazu. Die Aussicht war der Wahnsinn und es hat einfach richtig Spaß gemacht. Leider gingen die 15 Minuten wirklich schnell rum, waren aber absolut ihr Geld Wert. Und dabei waren wir mit 50.000 Pesos (etwa 20 Euro) wirklich günstig dabei, bedenkt man, dass Transport und Versicherung eingeschlossen waren.
An dem Tag waren dann auch bereits einige Leute aus unserer Gruppe nachgekommen und am Abend waren wir dann endlich vollständig. Es ging dann nach einem Abendessen und einer im Bus vergessenen Tasche mit Reisepass (der sich zum Glück wieder angefunden hat) noch raus in die Nacht um ein wenig Salsa zu tanzen.
Am Sonntag erwartete uns dann aber nicht all zu spät bereits eine Höhlentour, die wir Deutschen auch geschlossen angetreten sind. Nach einer schnellen Fahrt mit dem Taxi dem Berg hinauf waren wir bei einer Hütte angekommen bei der wir erstmal von einem energiespendenden Drink kosten konnten. Es schmeckte wie alter Apfelsaft..ich habe dann auf weitere Kostproben verzichtet. Mit Helm ausgestattet sind wir dann einen gewundenen Pfad hinunter bis zum Höhleneingang. Diese Höhle war einst ein Bestattungsort alter Indianerstämme, ist aber nun ein beliebter Schlafplatz für Fledermäuse und ein Abenteuer für Touristen.

Nachdem unser Guide in einer Art Sing-Sang Mutter Erde um Einlass gebeten hat und Kokablätter zum kauen herumgegeben wurden (nein, wir waren nicht high…Kokablätter sind gut für die Höhe und haben nichts mit Kokain gemein), ging es in die Höhle. Bereits zum Anfang haben wir uns durch enge Gänge gequetscht und es kamen Bedenken auf, wie und ob die drei großen Männer in der Gruppe weiterkommen werden. Da unser Guide aber sehr zuversichtlich schien, sind wir einfach mal weiter.

Nach drei aufregenden, interessanten und adrenalinartigen Stunden in denen wir über eine drei Meter tiefe Schlucht die Seiten wechseln mussten (ich kann gar nicht beschreiben wie abschüssig und bröckelig die ganze Angelegenheit war), ein Schlammbad in einer Höhle genommen haben und über einen unterirdischen zwei Meter Wasserfall nach draußen geklettert sind, hatten wir endlich wieder Tageslicht gesehen. Und schon hieß es die nächste Angst überwinden: Von einem vier Meter hohen Felsen konnten wir in eine kleine, schmale Lagune springen. Ich habs gewagt und es gibt sogar bewegtes Bildmaterial davon, dank Annes toller Unterwasserkamera und ihrer geduldigen Filmaufnahmen.

Nachmittags waren einige von uns dann noch Hydrospeeding, sie sind also auf Bodyboards den Fluss den wir zuvor mit Schlauchbooten gefahren sind herabgdüst. Da ich aber genug vom Wasser hatte und wir uns noch um das Abendessen kümmern mussten, hat sich der Großteil der Gruppe dann daran gemacht, deutschen Kartoffel- und Nudelsalat zuzubereiten. Abends haben wir nämlich von einem netten Hostelmitbesitzer das Angebot bekommen auf seiner Finka zu grillen. Was wir natürlich auch angenommen haben. Es war sehr lecker und keiner von uns kommt umhin zu betonen wie wunderbar es doch war, deutschen Kartoffelsalat von einem Bananenblatt (als Tellerersatz) zu essen.

Montag war dann leider erstmal von der Organisation der Rückreise geplagt, denn die Busunternehmer haben sich gedacht, dass man doch sicherlich gut Geld machen könnte, wenn man die Preise für die Rückreise einfach mal verdoppelt. Mit kolumbianischer Unterstützung in Form meiner Gastschwester und ihres Freundes (die beiden waren mit uns in San Gil), wollten wir dann günstigere Konditionen aushandeln. Meine Gastschwester hat jedoch relativ schnell die Geduld verloren und sich maßlos über die Abzocke geärgert, so dass ich dann mit halbwegs mäßigem Spanisch mein Handlungsgeschick austesten durfte. Und es ging sogar…

Anschließend haben Anisja, Patricia, Lisa und ich die Zeit genutzt und sind noch in das schöne Kolonialstädtchen Barichara gefahren, was etwa 45 Busminuten von San Gil entfernt in den Bergen an einem Hang liegt. Nicht weit entfernt befindet sich der viel empfohlene Canyon für den wir aber leider keine Zeit hatten, den wir allerdings von Baricharas höchstem Punkt aus betrachten konnten.

Das Städtchen ist einfach wunderschön, weiß getünchte Häuser mit grünen, roten und blauen Dächern, Festerläden und einer alten gepflasterten Straße säumten das Bild. Die ganze Stadt wirkte wie gemalt, es war sauber, warm, sonnig, voller Pflanzen und einfach herrlich. Nicht zu unrecht gilt es als eines der schönsten (oder sogar das schönste) Dörfer/Dorf Kolumbiens. Nach leider nur 1,5 Stunden mussten wir uns bereits wieder auf den Rückweg machen, denn unser Bus nach Bogota würde nicht warten.

Nach einer schnellen Heimreise waren wir spät abends erschöpft aber glücklich und zufrieden wieder in Bogotá, bzw. den anderen Städten.
Es war ein toller Trip an den ich sicherlich noch lange mit einem breiten Grinsen denken werde. Danke an euch alle, ihr lieben verrückten Deutschen und Kolumbianern, die ihr das Wochenende so unvergesslich gemacht habt! Und Danke Anne, dass du das so wunderbar in ein Video verpackt hast!

Hier einige Fotos vom Wochenende. Es kann sein, dass ab und an Fotos dabei sind, die nicht ich geschossen habe, sondern von meinem Mitreisenden kommen und deren Rechte dann entsprechend nicht bei mir liegen.